Nach jahrelangen Diskussionen und einem regelrechten Tauziehen zwischen Ärzten und Apothekern scheint es nun fix: Die Regierung will das Impfen in Apotheken ermöglichen. Schon ab 2027 sollen die Österreicher für viele Schutzimpfungen nicht mehr zwingend zum Arzt müssen. Das kündigte Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) an.
Niederschwelliges Angebot für mehr Schutz
„Wir werden einen großen Wunsch der Bevölkerung in die Umsetzung bringen“, erklärte Babler im Rahmen eines Medientermins. Ziel sei ein unbürokratisches und einfaches Angebot, um die oft als „bescheiden“ kritisierten Durchimpfungsraten in Österreich zu verbessern. Gerade bei der Grippeimpfung etwa erreichen die Raten bei weitem nicht die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation.
Wie die Salzburger Nachrichten berichten, stößt der Vorstoß bei der Apothekerkammer auf offene Ohren. Diese fordert seit Langem, Impfungen anbieten zu dürfen, und verweist auf positive Beispiele in anderen europäischen Ländern. Laut Kammerangaben haben bereits rund 3.000 Apotheker die notwendige Zusatzausbildung absolviert und stünden bereit.
Ärztekammer signalisiert vorsichtiges Einlenken
Jahrzehntelang wehrte sich die Ärztekammer vehement gegen einen Verlust ihres „Impfmonopols“. Doch zuletzt gab es Signale der Gesprächsbereitschaft. Wie oe24.at meldet, knüpft die Ärzteschaft ihre Zustimmung allerdings an Bedingungen. So fordert sie im Gegenzug eine Neuregelung für ärztliche Hausapotheken, also das Recht für Ärzte, selbst Medikamente abgeben zu dürfen. Die Sorge der Mediziner: Impfen sei „mehr als nur ein Stich“, es brauche eine ärztliche Aufklärung und die Fähigkeit, bei Komplikationen sofort einzugreifen.
Ein „Meilenstein“ mit offenen Fragen
NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger sprach laut dem Magazin Trend von einem „Meilenstein“ für das Gesundheitssystem. Die Regierung will nun rasch die gesetzlichen Grundlagen schaffen. Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) wurde beauftragt, ein konkretes Modell auszuarbeiten. In den kommenden Wochen sollen die Gespräche mit allen Beteiligten, also Ärzten und Apothekern, beginnen. Offen sind noch viele Details, etwa zur genauen Ausbildung, zur Lagerung der Impfstoffe und zur Honorierung der neuen Dienstleistung.
Quellen: oe24.at, trend.at, kurier.at, sn.at
Credits: APA
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