Die österreichische Bundesregierung scheint im Geld zu schwimmen – zumindest wenn es um externe Expertise geht. Mitten in Zeiten von Sparpaketen und Budgetlöchern gönnen sich die Ministerien einen wahren Ausgaben-Exzess. Sage und schreibe 27,92 Millionen Euro flossen allein im vierten Quartal 2025 in Beraterverträge und externe Dienstleistungen. Das enthüllt eine aktuelle Serienanfrage der Grünen-Abgeordneten Alma Zadić.
Explosionsartiger Anstieg der Kosten
Wer dachte, die Ausgaben würden sinken, der irrt gewaltig. Im Vergleich zum Vorquartal sind die Kosten um unfassbare 11 Millionen Euro in die Höhe geschossen. Das bedeutet eine Steigerung von über 65 Prozent. Während die Bürger den Gürtel enger schnallen müssen, sitzt die Geldbörse in den Ministerien offenbar locker.
Besonders tief in die Tasche griff dabei das SPÖ-geführte Sozialministerium unter Korinna Schumann. Mit Ausgaben von rund 8,1 Millionen Euro ist dieses Ressort der absolute Spitzenreiter im Ranking der Ausgabenfreudigkeit. Dicht gefolgt vom Finanzministerium (SPÖ), das knapp 6 Millionen Euro für externe Hilfe ausgab, und dem ÖVP-geführten Verteidigungsministerium mit 5,8 Millionen Euro.
Teure Strategien und PR-Beratung
Wofür wird das viele Steuergeld eigentlich ausgegeben? Ein Blick in die Details zeigt Erstaunliches. Wie Heute berichtet, zahlte das Wirtschaftsministerium unter anderem fast 20.000 Euro für Textierung und Grafik der „Industriestrategie der Bundesregierung“. Pikant dabei: Teile des Geldes flossen an einen ORF-Publikumsrat aus dem Umfeld der Volkspartei.
Auch Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (Neos) ließ die Kosten explodieren. Ihre Ausgaben für externe Expertise stiegen auf rund 763.000 Euro an – im Vergleich zu knapp 300.000 Euro im Vorquartal eine massive Steigerung.
Brisante Verträge rund um U-Ausschuss
Besonders brisant sind Ausgaben im Zusammenhang mit dem Untersuchungsausschuss zum Tod von Sektionschef Christian Pilnacek. Wie oe24 aufdeckt, haben sowohl das Innenministerium als auch das Bundeskanzleramt Verträge mit dem Rechtsanwalt Martin Huemer abgeschlossen. Huemer, der bereits als Vertrauensperson für Karl Nehammer und Gernot Blümel fungierte, soll Auskunftspersonen auf ihre Befragungen vorbereiten. Allein das Innenministerium veranschlagt hierfür 50.000 Euro Steuergeld für „juristische Beratung und Betreuung“.
FPÖ läuft Sturm gegen „Geldverprasserei“
Die Opposition schäumt vor Wut. FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz findet deutliche Worte für die Ausgabenpolitik der Koalition. Wie die FPÖ in einer Aussendung mitteilt, bezeichnet er die Vorgänge als „schamlose Geldverprasserei auf Kosten der Steuerzahler“. Schnedlitz rechnet vor: „28 Millionen Euro in drei Monaten ergeben jeden Tag Beraterkosten von über sagenhaften 300.000 Euro!“
Er verweist dabei auf die soziale Schieflage im Land: „Mit diesen 300.000 Euro könnte man unsere Obdachlosen tagtäglich mit warmem Essen versorgen“, so der Freiheitliche, der ein sofortiges Ende dieses „Berater-Dschungels“ fordert.
Einzig Infrastrukturminister Peter Hanke (SPÖ) und Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) scheinen den Sparstift angesetzt zu haben und konnten ihre externen Ausgaben im Vergleich zum Vorquartal senken. Ob das reicht, um den Unmut der Steuerzahler zu besänftigen, bleibt fraglich.
Quellen: oe24.at, Heute.at, fpoe.at, derstandard.at
Credits: APA
Neueste Kommentare