Die deutsche Polizei hat eine rechtsextreme Terrorgruppe zerschlagen: Alle fünf Jugendlichen sind nun in Untersuchungshaft, der jüngste Täter ist 14.. Wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte, hatten Ermittler die Gruppe tags zuvor bei koordinierten Razzien in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Hessen ausgehoben. Die Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren stehen im Verdacht, Anschläge auf Geflüchtete und politische Gegner geplant – und teils bereits umgesetzt – zu haben.
Die Gruppe, die sich selbst den Namen „Letzte Verteidigungswelle“ gegeben haben soll, wird beschuldigt, eine terroristische Vereinigung gegründet und unterstützt zu haben. Zwei der Mitglieder sollen laut Ermittlern bereits Brandanschläge verübt haben. Ihnen wird zudem versuchter Mord zur Last gelegt.
Die Bundesanwaltschaft führt an, dass zwei mutmaßliche Haupttäter im Oktober eine brennbare Flüssigkeit in ein Kulturzentrum im brandenburgischen Altdöbern geschüttet und entzündet haben sollen. Das Gebäude war bewohnt – nur durch Zufall kam es zu keinen Verletzten. Der Schaden beläuft sich auf rund 500.000 Euro.
Ein weiterer Anschlagsversuch ereignete sich laut Ermittlern im Januar in Thüringen: Zwei Jugendliche sollen versucht haben, mit Pyrotechnik einen Brand in einer Asylunterkunft in Schmölln zu verursachen. Dabei hinterließen sie zudem Hakenkreuz-Schmierereien und rechtsextreme Parolen an der Fassade des Gebäudes. Ein Feuer brach jedoch nicht aus.
Zudem sollen drei Tatverdächtige einen Anschlag mit selbstgebauten Kugelbomben auf ein Flüchtlingsheim in Senftenberg geplant haben. Der Angriff wurde vereitelt, weil zwei Beteiligte vor der Ausführung festgenommen wurden.
Gruppe wollte demokratische Ordnung destabilisieren
Nach bisherigen Erkenntnissen wollten die Jugendlichen mit ihren Angriffen gezielt Menschen mit Migrationshintergrund sowie politisch Andersdenkende treffen. Ziel der Gruppe sei es gewesen, durch Angst und Gewalt einen Zusammenbruch des demokratischen Systems in Deutschland zu provozieren. In ihrer Selbstdarstellung sah sich die Gruppe offenbar als letzte Verteidigungslinie einer angeblich bedrohten „deutschen Nation“.
Die fünf am Mittwoch festgenommenen Jugendlichen – Benjamin H., Ben-Maxim H., Jerome M., Lenny M. und Jason R. – haben die deutsche Staatsangehörigkeit. Gegen sie wird nun wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung, versuchten Mordes sowie weiterer schwerer Straftaten ermittelt.
Bereits vor der Razzia saßen drei weitere mutmaßliche Mitglieder der Gruppe im Alter zwischen 18 und 21 Jahren in Untersuchungshaft. Auch sie gehören dem extremistischen Netzwerk an.
Bundesanwaltschaft warnt vor zunehmender Radikalisierung
Die Bundesanwaltschaft spricht von einer „rechtsextremistischen terroristischen Vereinigung“, deren Mitglieder sich stark ideologisiert und bereit zur Gewalt gezeigt hätten. Der Fall wirft erneut ein Schlaglicht auf die wachsende Radikalisierung Jugendlicher im rechtsextremen Milieu – insbesondere durch Online-Propaganda, Chatgruppen und soziale Netzwerke, über die sich viele dieser Gruppen zunehmend vernetzen.
Die Ermittlungen dauern an. Weitere Durchsuchungen und mögliche Festnahmen sind nicht ausgeschlossen.
Credit: APA
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