Rechte Gewalt im Fokus, linke oft verschwiegen: Wie Medien berichten

Rechte Gewalt im Fokus, linke oft verschwiegen: Wie Medien berichten

In der medialen Berichterstattung über politische Gewalt in Österreich fällt seit längerem ein auffälliges Muster auf: Während rechtsextreme Gewalttaten klar benannt und ideologisch eingeordnet werden, bleibt die ideologische Einordnung bei linker Gewalt häufig vage oder wird ganz vermieden. Dies betrifft insbesondere öffentlich-rechtliche und große Medien wie den ORF, die APA, „Der Standard“ oder Puls24.

So berichtet etwa der Online-Dienst exxpress.at, dass diese Medien die Identitäre Bewegung konsequent als „rechtsextrem“ einstufen, oft unter Verweis auf den Verfassungsschutz, der diese Gruppierung als „gesichert rechtsextrem“ einordnet. Im gleichen Atemzug werden linke Gewalttäter sprachlich neutralisiert: Begriffe wie „linksextrem“ oder „linke Gewalt“ tauchen kaum auf. Stattdessen wird von „Schwarzem Block“, „Autonomen“ oder „Gegendemonstranten“ gesprochen, ohne eine ideologische Kategorisierung vorzunehmen. Selbst bei gezielten Gewalttaten auf der linken Seite finden sich kaum klare Zuschreibungen, wie etwa der Hinweis auf linksextreme Motivationen, wie exxpress.at berichtet.

Rechtsextremismus in Österreich: Klare Definition und steigende Gewalt

Der Verfassungsschutz definiert Rechtsextremismus als eine politische Ideologie, die ethnische oder nationale Zugehörigkeit über den Wert des einzelnen Menschen stellt und eine antidemokratische, autoritäre Gesellschaftsordnung anstrebt. In Österreich gelten rechtsextreme Gruppierungen als sicherheitsrelevant, wobei insbesondere die Identitäre Bewegung und andere neonazistische Strömungen beobachtet werden.

Die Zahlen rechtsextremer Straftaten sind in den letzten Jahren deutlich angestiegen. So meldet der Innenminister für das Jahr 2025 einen Anstieg rechtsextremer Straftaten um über 40 Prozent, mit der höchsten Fallzahl in Wien, gefolgt von Oberösterreich und Niederösterreich. Die Täter sind meist männlich. Diese Entwicklung wird im aktuellen Verfassungsschutzbericht bestätigt, der auch eine Zunahme extremistischer Taten insgesamt dokumentiert.

Linksextreme Gewalt: Anstieg trotz fehlender medialer Thematisierung

Auch linksextremistisch motivierte Straftaten nehmen zu. Der Verfassungsschutzbericht 2024 weist einen Anstieg linksextremer Delikte um fast 40 Prozent auf rund 5.850 Taten aus. Linksextreme Gruppierungen streben gemäß Verfassungsschutz eine klassenlose Gesellschaft an und lehnen das demokratische System ab.

Trotz dieser Zahlen und der klaren Einstufung durch Sicherheitsbehörden wird linke Gewalt in der Medienberichterstattung oft nicht mit dem Begriff „Linksextremismus“ benannt. Dies führt zu einem verzerrten Bild in der Öffentlichkeit, bei dem rechte Gewalt klar thematisiert wird, linke Gewalt aber häufig sprachlich verharmlost oder neutral dargestellt wird.

Ursachen und Kritik an der Berichterstattung

Kritiker sehen in diesem Framing eine Einseitigkeit, die das Vertrauen in eine ausgewogene Berichterstattung untergräbt. Die einseitige Fokussierung auf rechte Gewalt, ohne linke Gewalt ideologisch zu benennen, könnte das gesellschaftliche Verständnis von politischer Gewalt verzerren.

Medienhäuser argumentieren dagegen, dass die Verwendung von Begriffen wie „rechtsextrem“ auf klaren Einstufungen durch den Verfassungsschutz basiert, während linke Gewalt häufig in Form von Protesten oder Gegendemonstrationen stattfindet und juristisch anders bewertet wird. Dennoch fordern Experten und politische Beobachter eine konsequente und gleichmäßige Berichterstattung, die beide Seiten der politischen Gewalt ideologisch einordnet und sachlich analysiert.


Die Quellenlage zeigt deutlich, dass sowohl rechte als auch linke Gewalt in Österreich zunehmen, jedoch in der medialen Berichterstattung unterschiedlich behandelt werden. Eine objektive, sorgfältige journalistische Praxis sollte beide Erscheinungsformen von Extremismus klar benennen und einordnen, um der Öffentlichkeit ein vollständiges Bild zu vermitteln.

Quellen:

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Credits: APA

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