Die ÖBB, einst ein Symbol für Pünktlichkeit, steht aktuell massiv in der Kritik. Der Rechnungshof hat in seinem Bericht für die Jahre 2019 bis 2024 alarmierende Zahlen veröffentlicht: Mehr Züge, mehr Passagiere – aber auch mehr Verspätungen und Ausfälle. Besonders der Fernverkehr zeigt deutliche Schwächen.
Rekord bei Zugausfällen
Die Zahlen sprechen für sich: Von 2019 bis 2024 haben sich die Totalausfälle der Züge um unglaubliche 446 Prozent erhöht. Im Jahr 2024 fielen 22.183 Züge aus – ein trauriger Rekord. Gründe dafür sind unter anderem Materialmangel, Lieferverzögerungen und externe Einflüsse wie Unwetter. Besonders betroffen war die Wiener S-Bahn-Stammstrecke, die aufgrund fehlender Fahrzeuge immer wieder für Frust bei den Pendlern sorgte.
Pünktlichkeit im Sinkflug
Auch die Pünktlichkeit der Züge hat gelitten. Während die ÖBB im Nahverkehr noch 94,3 Prozent pünktliche Züge verzeichnen konnte, lag der Wert im Fernverkehr bei nur 78,2 Prozent. Besonders problematisch: Die Zielvorgabe von 86,2 Prozent wurde deutlich verfehlt. Laut ÖBB sind unter anderem Baustellen und die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn, die selbst mit massiven Problemen kämpft, für die Verspätungen verantwortlich.
Rechnungshof fordert bessere Planung
Der Rechnungshof kritisiert vor allem die mangelnde Abstimmung zwischen Angebot und tatsächlicher Leistungsfähigkeit. „Das Angebot soll auf die tatsächliche Verfügbarkeit der Flotte abgestimmt werden“, heißt es im Bericht. Bis 2024 seien Störungen „mangels geeigneter Simulations- und Planungstools“ nur unzureichend in die Planungen eingeflossen.
Hoffnung auf Besserung erst ab 2030
Die ÖBB-Personenverkehr AG rechnet erst ab 2030 mit einer nachhaltigen Verbesserung der Zuverlässigkeit im Fernverkehr. Bis dahin sollen Investitionen in Höhe von 6,1 Milliarden Euro in die Flottenmodernisierung fließen. Neue Doppelstock-Railjets und IC-Doppelstockfahrzeuge sollen die Situation entschärfen.
Mehr Angebot, aber auch mehr Frust
Trotz der Probleme hat die ÖBB ihr Angebot massiv ausgeweitet. Zwischen 2019 und 2024 stieg die Anzahl der Züge um 19 Prozent, die Fahrgastzahlen kletterten um 12 Prozent auf knapp 300 Millionen. Doch die steigende Nachfrage bringt das System an seine Grenzen. Der Rechnungshof fordert daher eine realistischere Planung, die auch die Belastbarkeit der Fahrpläne berücksichtigt.
Quellen: oe24.at, derStandard.at, konzern.oebb.at, Qualitätsbericht 2024
Credits: APA
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