Mehr Geld, neue Panzer, moderne Luftabwehr: Mit dem “Aufbauplan 2032+” soll das Bundesheer nach Jahrzehnten des Sparens wieder verteidigungsfähig werden. Der Rechnungshof stellt dem Vorhaben nun ein ernüchterndes Zeugnis aus. Es fehlt an Personal, an Kasernen, an Lagern – und die Kosten sind explodiert. Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) sieht den Plan trotzdem nicht in Gefahr.
“Gefährdet”
Im Resümee seines am Freitag veröffentlichten Berichts “Umsetzbarkeit des Aufbauplans 2032+” hält der Rechnungshof fest, “dass die geplante Umsetzung des Aufbauplans gefährdet war”, wie das Fachmedium Militär Aktuell zitiert. Als Gründe nennen die Prüfer laut APA die Budgetlage, geringe Personalbesetzungsgrade, fehlende Infrastruktur und zu kleine Lager. Vor allem aber würden die drei überprüften Bereiche Ausrüstung, Infrastruktur und Personal nicht zusammenwirken. Die Folge: Die geplanten Fähigkeiten könnten nur verzögert erreicht werden. Geprüft wurden die Jahre 2020 bis 2025.
Von 16,6 auf 49,2 Milliarden
Besonders deutlich ist die Kostenentwicklung. Laut Landesverteidigungsbericht 2022 plante das Ministerium Investitionen von 16,6 Milliarden Euro für die Jahre 2023 bis 2032. Mit Stand September 2025 waren es 49,2 Milliarden Euro für den Zeitraum 2025 bis 2036, ein Plus von 197 Prozent, wie Militär Aktuell berichtet. Ein Teil des Anstiegs erklärt sich dadurch, dass der neue Zeitraum zwei Jahre länger ist. Das Ministerium begründete die Erhöhung gegenüber den Prüfern laut APA mit weiterführenden Planungen, technischen Entwicklungen und “massiven Preissteigerungen im Rüstungsbereich”.
912 Projekte, 210 begonnen
Konkret wird der Rückstand bei der Infrastruktur. Von 912 vorgesehenen Bauprojekten waren im Juli 2025 laut Rechnungshof erst 210 in Planung oder Umsetzung, wie VOL.AT berichtet. Beim Personal steht das Bundesheer vor allem im technischen und handwerklichen Bereich im Wettbewerb mit der Privatwirtschaft. Die Einstiegsgehälter liegen dort laut Bericht zum Teil deutlich unter jenen der Wirtschaft. Laut Militär Aktuell konnten drei kleinere Verbände mangels Personal und Fahrzeugen nicht voll einsatzbereit gehalten werden. Der Rechnungshof empfiehlt unter anderem, die Personalgewinnung und -bindung voranzutreiben.
Alles hängt an den zwei Prozent
Das größte Risiko sieht der Rechnungshof im Geld. Sollte das im Regierungsprogramm festgelegte Ziel, die Verteidigungsausgaben bis 2032 auf zwei Prozent der Wirtschaftsleistung anzuheben, nicht erreicht werden, könne der Aufbauplan nicht in der geplanten Form oder nur eingeschränkt umgesetzt werden. Schon im Sommer hatte der Landesverteidigungsbericht laut MeinBezirk eine Lücke von 12,6 Milliarden Euro zwischen Bedarf und Finanzrahmen bis 2031 ausgewiesen.
Tanner: “Nicht in Gefahr”
Die Verteidigungsministerin widerspricht. Der Aufbauplan sei nicht in Gefahr, sagte Tanner am Freitag laut APA. Der Bericht unterstreiche vielmehr, dass das Zwei-Prozent-Ziel erreicht werden müsse. Neues Gerät, Personal und Infrastruktur würden parallel entwickelt. Bei der Bezahlung könne ihr Ministerium nicht allein entscheiden. Und bei den Lagern zeigten sich “Versäumnisse der letzten Jahrzehnte, die nicht in einer und nicht in zwei Legislaturperioden aufgeholt werden können”. Generalsekretär Arnold Kammel sieht den Bericht sogar als Bestätigung: “Der Rechnungshof bestätigt unseren Kurs und das dringend notwendige Ziel, das Verteidigungsbudget bis zum Jahr 2032 auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts anzuheben.”
Credits: Guenter Filzwieser
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