Erschöpfte Schüler, verschobene Feiern, ein Schüler kollabiert im Turnunterricht. An einer Wiener Mittelschule spitzt sich die Lage jedes Jahr zu – und heuer fiel der Ramadan ausgerechnet mit dem Faschingsdienstag zusammen.
Ein seltenes Zusammentreffen
Heuer war es besonders auffällig: Ramadan und christliche Fastenzeit starteten 2026 am selben Tag – das letzte Mal war das vor über 100 Jahren, nämlich 1921, der Fall. 5min Seit dem 19. Februar fasten rund 740.000 Muslime in Österreich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Weekend Das trifft mitten in die Faschingswoche – und stellt Wiens Schulen vor massive Herausforderungen.
„Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer“
Wie Heute berichtet, schlägt eine namentlich nicht genannte Wiener Schulleitung öffentlich Alarm. An ihrer Mittelschule ist der Großteil der Schüler muslimisch. Der Ramadan-Effekt zeige sich immer deutlicher: „Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer.“
Dabei ist die Lage eigentlich klar geregelt: Kinder sind laut islamischer Lehre von der Fastenpflicht befreit. Weekend Doch die Praxis sieht anders aus. „Die Schüler eifern den Erwachsenen nach“, schildert die Direktorin. Und Social Media befeuert das Problem zusätzlich: Laut der Schulleitung kursieren Videos von Predigern, die Kinder aktiv zum Fasten auffordern.
Kreislaufprobleme und Wettbewerb ums Nichtstrinken
Die Folgen sind handfest. „Die Kinder sind müde, launisch und unkonzentriert.“ Im vergangenen Jahr brach ein Schüler im Turnunterricht zusammen. Wasser und Essen werden im Unterricht abgelehnt – sogar beim wöchentlichen Angebot mit gesunder Jause heißt es: „Nein, wir fasten.“
Besonders besorgniserregend: Unter manchen Schülern sei das Fasten längst zu einem Wettbewerb geworden. „Die Schüler machen teilweise einen Wettbewerb daraus – wer es schafft, mehr Stunden nichts zu essen.“
Neben den gesundheitlichen Problemen beobachtet die Schule auch soziale Veränderungen. Eine Schülerin sei plötzlich vollverschleiert erschienen, viele Mädchen trügen spezielle Ramadan-Bekleidung. Das gemeinsame Fasten schaffe ein starkes Gemeinschaftsgefühl – was die Schule mit Alternativvorschlägen kaum aufbrechen kann.
Schulen wurschteln sich selbst durch
Gegensteuern ist schwer. Sprachbarrieren erschweren Gespräche mit Eltern. Der Religionsunterricht erreiche nur jene, die ihn besuchen. Man versuche, das Fasten umzuleiten – „zum Beispiel auf das Handy zu verzichten“ – doch das zeige wenig Wirkung.
Das eigentliche Problem: Die Schulen stehen allein. „Aktuell wurschtelt sich jede Schule irgendwie selbst durch“, so die Direktorin. Ihr Wunsch: mehr Unterstützung durch die Bildungsdirektion und gezielte Aufklärungsarbeit in den Communities.
Eine Frage mit System
Der Fall ist kein Einzelfall – er ist symptomatisch. Wenn Faschingsfeiern wegen des Ramadans verschoben werden, Schüler im Unterricht kollabieren und Pädagogen keine einheitliche Leitlinie haben, ist das kein religiöses Randthema mehr. Es ist eine bildungspolitische Frage, auf die Wien bisher keine klare Antwort gefunden hat.
Quellen: exxpress.at (21.2.2026), Heute (Primärbericht der Schulleitung), weekend.at, 5min.at, Islamisches Zentrum Wien (izwien.at)
Credits: APA
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