Bundeskanzler Christian Stocker hat im oe24-Interview die Ergebnisse der Reformpartnerschaft als „großen Schritt“ bezeichnet – und gleichzeitig eingeräumt, dass das Gesundheitssystem künftig mehr kosten wird.
Stocker gegen Schumann: Keine 50 Spitalschließungen
Den brisantesten Moment lieferte eine Aussage von SPÖ-Gesundheitsministerin Corinna Schumann: Sie hatte im Zuge der Reformankündigungen von bis zu 50 möglichen Schließungen kleiner Landspitäler gesprochen. Stocker reagierte darauf laut oe24 mit einem Lachen – und einer klaren Gegenansage: „Jetzt davon zu reden, was geschlossen wird, ist das Gegenteil dessen, was eigentlich notwendig ist.“ Sein Fazit: „Das ist sicher keine Reform zur Schließung von Krankenanstalten. Das ist eine Reform zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung.“
„Es kann effizienter werden – aber billiger wird es nicht“
Auf die Frage, wie das Gesundheitssystem finanziert werden solle, gab Stocker eine für einen Regierungschef ungewöhnlich offene Antwort, wie oe24 berichtet: „Man muss sich vom Gedanken verabschieden, dass das Gesundheitssystem billiger wird. Es kann effizienter werden.“ Als oe24-Redakteurin Isabelle Daniel daraufhin festhielt „Es wird also teurer“, bestätigte Stocker: „Richtig.“ Als Begründung nannte er die Spitzenmedizin und vor allem die Demografie: Eine alternde Gesellschaft brauche schlicht mehr Gesundheitsleistungen. Deshalb sei es umso wichtiger, dass die „gesunden Lebensjahre mehr werden“.
Was konkret geplant ist
Auf die Frage, was die Reform konkret bringe, nannte Stocker laut oe24 mehrere Punkte: Künftig sollen alle Befunde automatisch auf der E-Card abrufbar sein – um Doppelbefundungen zu vermeiden. Telemedizin, Primärversorgungszentren und Facharztzentren sollen ausgebaut werden, um Spitäler zu entlasten und Wartezeiten zu verkürzen. Behandlungen sollen dort stattfinden, „wo sie medizinisch sinnvoll sind, qualitativ hochwertig und für die Menschen am besten erreichbar.“
Zwei offene Fragen, die Stocker ausweicht
Beim Thema Fachärzte mit Kassenverträgen blieb Stocker vage: Er verwies auf „Ansätze“ im Regierungsprogramm, um Absolventen im Land zu halten – ohne Konkretes zu nennen. Zum Widerstand der Ärzteschaft gegen Primärversorgungszentren sagte er laut oe24 nur: „Bei Veränderungen wird es immer Gruppen geben, die sie befürworten, und welche, die sie kritisch sehen.“
Reform oder „Reförmchen“?
Auf den Vorhalt, dass Experten nur von einem „Reförmchen“ sprechen, antwortete Stocker laut oe24 mit einem ungewöhnlichen Argument: „Wenn diese Reform so klein wäre, dann würde sich ja nicht einmal die Ablehnung auszahlen.“ Er räumte ein, es handle sich um einen „Zwischenschritt, eine politische Weichenstellung“ – nicht um ein Endergebnis.
Credits: BKA, Christopher Dunker
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