Zum Jahrestag des Ukraine-Kriegs betont der Kreml-Chef die nukleare Aufrüstung. Der letzte Rüstungskontrollvertrag mit den USA ist soeben ausgelaufen – eine neue Ära des Wettrüstens beginnt.
Rede zum Feiertag – mit klarer Botschaft
Russland wird seine Atomstreitkräfte weiter ausbauen. Das machte Präsident Wladimir Putin am Sonntag, dem 23. Februar, unmissverständlich klar. In einer Fernsehansprache erklärte Putin: „Die Entwicklung der atomaren Triade, die Russlands Sicherheit garantiert und für eine wirksame strategische Abschreckung sowie ein Kräftegleichgewicht in der Welt sorgt, bleibt eine absolute Priorität.“ T-online
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Die Rede fiel auf Russlands „Tag des Verteidigers des Vaterlandes“ – ein Feiertag, der traditionell für Patriotismus und militärischen Pomp genutzt wird. Und er kommt nur einen Tag vor dem vierten Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine am 24. Februar. Putin erklärte zudem, Armee und Marine sollten weiter gestärkt werden – dabei solle aus den militärischen Erfahrungen des Konflikts in der Ukraine geschöpft werden. T-online
New START ist Geschichte – ein historischer Einschnitt
Der Kontext dieser Ansage ist brisant. Am 5. Februar 2026 lief das „New Start“-Abkommen zwischen den USA und Russland aus – der letzte große Atomwaffenabrüstungsvertrag zwischen den beiden Supermächten. T-online Erstmals seit über einem halben Jahrhundert gibt es damit keinerlei vertragliche Beschränkungen der nuklearen Arsenale der beiden größten Atommächte der Welt.
UN-Generalsekretär António Guterres bezeichnete das Auslaufen als „schwerwiegenden Moment für den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit“ und rief Moskau und Washington auf, sich „unverzüglich“ auf einen Nachfolgevertrag zu einigen. T-online
Doch davon ist man weit entfernt. Russlands Präsident Putin war mit dem Vorschlag einer Verlängerung bei Donald Trump auf taube Ohren gestoßen. news.de Moskau erklärte daraufhin, sich nicht mehr an Beschränkungen seines Atomwaffenarsenals gebunden zu fühlen. T-online Washington hingegen besteht darauf, dass ein Nachfolgevertrag zwingend China einbeziehen müsse – was Peking kategorisch ablehnt.
Was war „New START“ – und was geht jetzt verloren?
Der Vertrag, 2010 von Barack Obama und Dmitri Medwedew unterzeichnet und 2021 um fünf Jahre verlängert, legte klare Grenzen fest: Erlaubt waren maximal 1.550 stationierte Atomsprengköpfe und 700 einsatzbereite Langstreckenraketen und Bomber. Freitag Dazu kamen umfassende gegenseitige Vor-Ort-Inspektionen, die sicherstellten, dass sich beide Seiten auch wirklich daran hielten.
Dieses Verifikationssystem ist nun ersatzlos weggefallen. Sicherheitsexperte Steven Pifer von der Stanford-Universität warnt vor einem entstehenden Vakuum in der Rüstungskontrolle: Wenn beide Seiten ihre nuklearen Arsenale ausbauten, erhöhe sich die Sicherheit für niemanden – stattdessen stiegen Kosten und atomares Risiko. news.de
Die symbolische „Doomsday Clock“ – das Uhrwerk, das den Abstand der Menschheit vom nuklearen Weltuntergang misst – wurde Ende Januar 2026 auf 85 Sekunden vor Mitternacht gestellt. So nah am symbolischen Kollaps war die Uhr noch nie.
Aufrüstung auf allen Seiten
Während Putin die atomare Triade zur Priorität erklärt, rüsten auch andere nach. Im Juli 2025 verkündeten Frankreich und das Vereinigte Königreich die Northwood-Erklärung – ein Abkommen, das erstmals eine Koordinierung ihrer Nuklearstreitkräfte vorsieht. Euronews Und in den USA erwägt Präsident Trump einem Bericht der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler zufolge sogar die Wiederaufnahme von Nukleartests.
Die Lage ist ernst – und Putins Rede zum Tag des Verteidigers lässt keinen Zweifel daran, wohin die Reise geht.
Quellen: Die Presse (22.02.2026), t-online (Newsblog Ukraine-Krieg, 23.02.2026), Euronews (New START, 05.02.2026), t-online (New START ausgelaufen, 05.02.2026), Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW), Stanford-Universität (Steven Pifer), UN-Generalsekretär António Guterres
Credits: APA
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