Der russische Präsident Wladimir Putin zeigt sich besorgt und warnt eindringlich vor Bestrebungen, die auf eine sogenannte „Dekolonisierung“ Russlands abzielen. In einer Rede in Moskau zur Nationalitätenpolitik sprach der Kremlchef von einem Informationskrieg, der gegen sein Land geführt werde. Er befürchtet nichts Geringeres als die Zerschlagung der Russischen Föderation.
Kremlchef ortet „aggressive Russophobie“
„Immer öfter ist von einer gewissen ‚Dekolonisierung‘ Russlands die Rede, die eigentlich eine Zerschlagung der Russischen Föderation ist“, erklärte Putin, wie oe24.at berichtet. Dahinter stecke die Absicht, ein „Post-Russland“ zu schaffen – ein Gebiet ohne Souveränität, das in kleine, vom Westen abhängige Splitter aufgeteilt werden soll.
Putin sprach von einer „Ideologie der aggressiven Russophobie“, die sich gegen alle Völker Russlands richte. Er betonte die zentrale Rolle der russischen Ethnie für den Zusammenhalt des Landes: „Ohne die Russen als Volk, die russische Ethnie, ohne diesen Faktor gibt es kein Russland.“ Gleichzeitig zeigte er sich überzeugt, dass es den Gegnern nicht gelinge, ethnische Unruhen im Land zu schüren.
Historischer Hintergrund und aktuelle Ängste
In der Forschung wird Russland oft als ein Imperium betrachtet, das sich nicht durch Kolonien in Übersee, sondern durch die Unterwerfung seiner Nachbarvölker in Osteuropa, Sibirien, im Kaukasus und in Zentralasien ausdehnte. Während separatistische Bewegungen seit der Niederschlagung des tschetschenischen Unabhängigkeitsstrebens als erloschen gelten, schließen Experten ein Wiederaufflammen nicht aus.
Politologen spekulieren, dass im Falle einer Niederlage im Ukraine-Krieg oder eines Machtwechsels im Kreml nicht-russische Regionen wie Tatarstan oder Jakutien von Moskau abfallen könnten. Putins Äußerungen machen deutlich, dass ihm diese Diskussionen sehr bewusst sind.
Reaktion mit neuen Feiertagen
Um auf die Spannungen zu reagieren und das Bewusstsein für Russland als Vielvölkerreich zu stärken, wies Putin die Behörden an, schnell auf ethnische Konflikte zu reagieren. Zudem führte er zwei neue Feiertage ein: den Tag der kleinen indigenen Völker Russlands und den Tag der Sprachen der Russischen Föderation.
Credits: APA
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