Eine neue Umfrage räumt mit einem hartnäckigen Mythos auf: Wer AfD wählt, tut das mehrheitlich nicht wegen der Migrationsfrage — sondern wegen der schlechten Arbeit der Bundesregierung.
56 Prozent wählen aus Frust — nicht aus Überzeugung
Wie die Weltwoche unter Berufung auf eine Civey-Erhebung berichtet, nennen 56 Prozent der tatsächlichen und potenziellen AfD-Wähler die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung als wichtigsten Grund für ihre Wahlentscheidung. Mit deutlichem Abstand folgen andere Motive: 44 Prozent sagen, die AfD habe gute Ideen, während lediglich 40 Prozent die Ablehnung von Zuwanderung als Haupttreiber angeben. Zwölf Prozent befürworten laut der Umfrage auch einen EU-Austritt Deutschlands. Die Botschaft ist eindeutig: Die AfD profitiert weniger von inhaltlicher Zustimmung als von schlichter Regierungsverdrossenheit.
Regierung unter Beschuss — auch von eigenen Wählern
Der Boden für solche Umfragewerte ist bereitet. Wie das ZDF-Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen (Erhebung 24.–26. März 2026, 1.206 Befragte) zeigt, kritisieren 80 Prozent der Deutschen, dass die Bundesregierung zu wenig gegen den durch den Iran-Krieg ausgelösten Energiepreisanstieg tut — ein Wert, der quer durch alle Lager geht. Und wie der aktuelle INSA-Sonntagstrend für die Bild am Sonntag (7.–10. April, 1.205 Befragte) belegt, sind 73 Prozent der Deutschen mit der schwarz-roten Koalition unzufrieden — darunter 69 Prozent der eigenen SPD-Wähler und 56 Prozent der Unions-Anhänger. Insa-Chef Hermann Binkert kommentierte das Ergebnis nüchtern: Es sei unwahrscheinlich, dass der Kanzler und die Koalition diesen Trend grundsätzlich drehen können.
AfD weiter stärkste Kraft — mit stabilen 26 Prozent
Im aktuellen Sonntagstrend bleibt die AfD mit 26 Prozent stärkste Kraft in Deutschland, knapp vor CDU/CSU mit 25 Prozent. SPD (14) und Grüne (13) legen je einen Punkt zu. FDP (3) und BSW (4) verharren auf niedrigen Werten. Die Forschungsgruppe Wahlen sieht die AfD in der politischen Stimmung sogar bei 22 Prozent — mit einem Anteil von 41 Prozent, der eine Kooperation anderer Parteien mit der AfD grundsätzlich nicht ablehnt.
Was das bedeutet
Die Daten legen nahe, dass die AfD zu einem erheblichen Teil ein Auffangbecken für Regierungsfrust ist — und weniger eine ideologische Heimat. Das ist für die etablierten Parteien eine schlechte Nachricht: Denn solange die Unzufriedenheit wächst, wächst auch das Potenzial der AfD — unabhängig davon, wie intensiv über Migration diskutiert wird.
Credit: APA
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