Postenschacher im Ministerium: Ermittlungen könnten Kocher teuer kommen

Postenschacher im Ministerium: Ermittlungen könnten Kocher teuer kommen

Er ist längst Gouverneur der Österreichischen Nationalbank – doch seine Zeit als Arbeitsminister lässt Martin Kocher nicht los. Eine Entscheidung der Bundes-Gleichbehandlungskommission wirft ein unschönes Licht auf seine frühere Personalpolitik.

Kommission ortet Diskriminierung im Ministerium

Wie die Tageszeitung Die Presse berichtet, hat die Bundes-Gleichbehandlungskommission eine Postenvergabe im damals von Kocher geführten Arbeitsressort scharf kritisiert. Das Ministerium habe nicht darlegen können, dass bei der Besetzung einer Leitungsfunktion objektiv nachvollziehbare, sachliche Gründe ausschlaggebend waren. Eine langjährige Mitarbeiterin, die als SPÖ-nah galt, hatte sich für den Posten beworben – und war leer ausgegangen. Den Job bekam eine Bewerberin mit ÖVP-Nähe.

Wie die Kommission weiters feststellte, war die unterlegene Kandidatin aufgrund ihres Alters und ihrer politischen Weltanschauung beim beruflichen Aufstieg diskriminiert worden.

Ausschreibung war maßgeschneidert

Pikant ist auch, wie die Stelle überhaupt ausgeschrieben wurde. Wie Der Standard berichtet, sah die Gleichbehandlungskommission bereits die Ausschreibung selbst als problematisch an: Es sei ein bestimmtes Studium als Voraussetzung verlangt worden, das laut Aussagen eines Sektionsleiters für die Führung der betreffenden Abteilung gar nicht notwendig gewesen sei. Die Weltanschauungen der beiden Bewerberinnen seien bei der Postenentscheidung zumindest mitursächlich gewesen, hieß es in der Kommissionsentscheidung.

Schadenersatz droht – Gespräche laufen

Die Konsequenzen sind handfest. Wie Die Presse berichtet, könnte die unterlegene Bewerberin nun Schadenersatz geltend machen. Im nunmehr SPÖ-geführten Arbeitsministerium suche man derzeit eine Lösung im Verhandlungsweg über die angemessene Abgeltung der entgangenen Bezüge – die Gespräche verliefen konstruktiv.

Kocher weist Einzelkritik zurück

Kocher selbst, der seit 1. September 2025 als Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank amtiert, ließ über einen Sprecher ausrichten: Er habe als Minister eine Vielzahl an Personalentscheidungen getroffen, anonymisierte Einzelfälle könnten ohne entsprechende Unterlagen nicht im Detail kommentiert werden.

Für Kocher ist es nicht die erste Kritik in Sachen Postenvergabe. Wie die Salzburger Nachrichten berichten, war bereits sein direkter Wechsel vom Ministeramt an die Spitze der Nationalbank – ohne jede Cooling-off-Phase – von der Opposition als ungenierten Postenschacher bezeichnet worden.

Credits: APA

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