Wer die österreichische Polit-Szene verfolgt, weiß: Die Spannung war selten größer. Im Gerichtssaal in Linz spielt sich derzeit ein wahres Drama ab. Im hochbrisanten Prozess gegen ÖVP-Klubobmann August Wöginger und zwei Finanzbeamte wegen mutmaßlichen Amtsmissbrauchs steht ein Mann im Mittelpunkt: Thomas Schmid. Der ehemalige Generalsekretär im Finanzministerium trat in den Zeugenstand, und die Anspannung ist greifbar. Schmid schlich sich, nun mit Kronzeugenstatus ausgestattet, mehr als eine Stunde vor Beginn ins Gebäude und verschanzte sich mit seinem Anwalt in einem kleinen Raum, um dem Blitzlichtgewitter zu entgehen.
Ein Posten für den Parteifreund?
Die Vorwürfe wiegen schwer. Wöginger und die Mitangeklagten sollen das System manipuliert haben, um einem loyalen ÖVP-Bürgermeister den Chefposten im Finanzamt Braunau zuzuschanzen. Die Staatsanwaltschaft argumentiert, dass dieser Bürgermeister aus rein politischen Gründen an die erste Stelle der Liste gesetzt wurde, wodurch eine hochqualifizierte Kandidatin übergangen wurde. Die Bewerberin hatte das Nachsehen, was eine massive rechtliche und politische Kontroverse auslöste, die diese prominenten Persönlichkeiten nun vor Gericht gebracht hat.
Die brisanten SMS-Nachrichten
Die Geheimwaffe der Anklage liegt in der digitalen Spur, die direkt von Schmids Handy stammt. Wie Die Presse hervorhebt, untersuchte das Gericht eine aufschlussreiche Nachricht, in der Schmid an Wöginger schrieb: „Wir haben es geschafft: Der Bürgermeister schuldet dir was.“ Wögingers Verteidigung lautet, er habe zunächst nicht einmal gewusst, was die Nachricht bedeute, obwohl er mit offensichtlicher Freude antwortete. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) nutzt diese digitalen Fußspuren, um einen wasserdichten Fall von unzulässiger Einflussnahme zu konstruieren. Der Standard berichtet indes, dass ein Mitangeklagter aus der Hearing-Kommission Schmids Darstellung wütend zurückwies und dessen Vorwürfe der politischen Einmischung als glatte Lügen bezeichnete.
Wöginger schlägt zurück
Trotz des zunehmenden Drucks weigert sich Wöginger, klein beizugeben und beteuert seine Unschuld. Wie die Krone anmerkt, erklärte der Politiker vor Gericht, er habe die Bewerbung des Bürgermeisters lediglich weitergeleitet, was er als normalen Teil seiner Arbeit ansieht, wenn Bürger um Hilfe bitten. Er bestreitet vehement, irgendeinen ungesetzlichen Einfluss ausgeübt oder eine Sonderbehandlung für seinen Parteikollegen gefordert zu haben. Dieser Rechtsstreit entwickelt sich nun zu einem wahren Marathon, und ein endgültiges Urteil wird nicht vor Ende April erwartet.
Quellen: oe24.at, meinbezirk.at, diepresse.com, derstandard.at, krone.at, kleinezeitung.at
Credits: APA
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