Bei den NEOS brodelt es unter der Oberfläche. Klubobmann Yannick Shetty versucht zu beschwichtigen — doch die Signale aus der Partei häufen sich.
Shetty beschwichtigt, die Partei rumort
In den Oberösterreichischen Nachrichten gab sich NEOS-Klubobmann Yannick Shetty betont gelassen: Die Partei sei „lebendig“, es komme „selbstverständlich auch zu Debatten“ — man ziehe aber „an einem Strang.“ Keinen „großen Unfall“ will er in den internen Spannungen erkennen. Wie exxpress berichtet, zeichnet die Realität hinter den Kulissen ein anderes Bild.
Abgänge, Absetzungen, Alleingänge
Die Causa beginnt mit der Absetzung von Veit Dengler als außenpolitischem Sprecher — nach einem Interview, das der Parteilinie widersprach. Danach der Streit um den EU-Rechnungshof-Posten: Wie exxpress im Februar berichtete, wurde der langjährige NEOS-Wirtschaftssprecher Gerald Loacker bei der Besetzung übergangen, obwohl er sich beworben hatte. Intern sorgte das für erhebliche Verstimmung. Loacker selbst wollte auf Anfrage keine Stellungnahme abgeben — ein beredtes Schweigen. Parteichefin Meinl-Reisinger rechtfertigte die Entscheidung mit dem Prinzip der parteifreien Postenbesetzung. Loacker wurde letztlich doch noch nominiert — nach breitem medialen Druck.
Dann der Abgang von Stephanie Krisper: Die langjährige Abgeordnete legte ihr Mandat nieder. Gegenüber profil sprach sie von einem „Loyalitätskonflikt zwischen dem, wofür ich mich als Abgeordnete eingesetzt habe, und den Neos als Regierungspartei.“ Auch Nikolaus Scherak, eigentlich als Nachfolger Meinl-Reisingers als Klubobmann vorgesehen, lehnte das Amt ab — was Beobachter als Skepsis gegenüber dem Koalitionskurs werteten. Scherak fiel zuletzt mehrfach durch Ausscheren bei Abstimmungen auf, unter anderem bei der Messenger-Überwachung und der Spritpreisbremse, wie exxpress berichtete.
Umfragen im Keller, Koalition als Zerreißprobe
Die Zahlen sind ernüchternd: Laut einer Erhebung der Lazarsfeld Gesellschaft vom März 2026 liegen die NEOS nur noch bei sieben Prozent — bei der Nationalratswahl 2024 hatten sie 9,1 Prozent erreicht, davor lagen sie in Umfragen zwischen zehn und vierzehn Prozent. Wie exxtra24.at in einer Analyse festhält, haben die NEOS mit dem Regierungseintritt an liberalem Erkennungswert verloren — und die Umfragen spiegeln das gnadenlos wider.
Der Begriff „Knittelfeld“ erinnert in der österreichischen Politik an 2002, als der FPÖ-Parlamentsklub die eigene Regierung von innen sprengte. Ob den NEOS ein ähnliches Schicksal droht, lässt Shetty offen. Seiner Beschwichtigung zum Trotz: Die strukturellen Signale sind unübersehbar.
Credits: Wikipedia
Neueste Kommentare