Pentagon plant Bodeneinsätze im Iran: Kharg Island im Visier

Pentagon plant Bodeneinsätze im Iran: Kharg Island im Visier

Spezialeinheiten, Infanterie, Wochen statt Monate – die USA bereiten sich auf eine neue Eskalationsstufe vor.

Brisanter Bericht aus Washington

Das Pentagon bereitet sich auf mögliche Bodeneinsätze im Iran vor. Wie die Washington Post unter Berufung auf mehrere nicht namentlich genannte US-Regierungsvertreter berichtet, umfassen die Planungen Vorstösse von Spezialeinheiten und konventionellen Infanterietruppen – konkret auf die Ölexport-Insel Charg sowie auf Küstenabschnitte nahe der Strasse von Hormus. US-Präsident Donald Trump hat einen solchen Einsatz bislang nicht genehmigt.

Dabei handelt es sich laut Washington Post nicht um kurzfristig zusammengeschusterte Notfallpläne. Ein Regierungsbeamter wurde in der Zeitung mit den Worten zitiert, dies sei „keine Planung in letzter Minute“. Die Einsätze würden demnach Wochen, nicht Monate dauern – und blieben weit hinter einer grossflächigen Invasion zurück.

Charg: Irans „Kronjuwel“ als Druckmittel

Im Zentrum der Überlegungen steht die Insel Charg im nördlichen Persischen Golf, rund 30 Kilometer von der iranischen Küste entfernt. Wie t-online berichtet, wickelt der Iran rund 90 Prozent seiner Rohölexporte über diese Insel ab – Trump bezeichnete sie bereits öffentlich als „Irans Kronjuwel“. Eine Einnahme oder Blockade würde Teheran von seiner wichtigsten Einnahmequelle abschneiden und Washington ein massives Verhandlungsdruckmittel verschaffen.

Dazu kommen laut Axios weitere Optionen: die Einnahme der Insel Larak, die Teherans Kontrolle über die Strasse von Hormus stärkt, die Besetzung der strategisch gelegenen Insel Abu Musa sowie die Blockade iranischer Öltanker auf der Ostseite der Meerenge. Als härtestes Szenario werden laut Axios sogar Bodenoperationen im iranischen Inland erwogen, um Anlagen mit hochangereichertem Uran zu sichern.

Iran rüstet auf – und droht

Teheran hat die Entwicklung offenbar genau verfolgt. Wie t-online unter Berufung auf CNN-Quellen mit Zugang zu US-Geheimdienstinformationen berichtet, hat der Iran in den vergangenen Wochen seine Verteidigung auf Charg massiv ausgebaut: zusätzliches Militärpersonal, Luftabwehrsysteme und Minen wurden auf die Insel verlegt. Die Revolutionsgarden haben zudem Vergeltungsangriffe angekündigt – und machten klar, dass man auf eine mögliche US-Bodenoffensive „warte“.

Rubio bleibt nach aussen vorsichtig

Öffentlich gibt sich die US-Regierung zurückhaltender. Aussenminister Marco Rubio erklärte laut Weltwoche, die Kriegsziele könnten auch ohne Bodentruppen erreicht werden. Die jüngsten Truppenverstärkungen in der Region schafften lediglich zusätzliche Handlungsoptionen für den Präsidenten – keine Vorentscheidung. Rubio schloss Bodentruppen aber auch nicht kategorisch aus.

Parallel dazu bereitet das Pentagon laut Wall Street Journal und Axios die Verlegung von bis zu 10.000 weiteren Soldaten in den Nahen Osten vor. Die USS Tripoli mit der 31st Marine Expeditionary Unit ist bereits in der Region eingetroffen. Wie 20 Minuten berichtet, lehnen 62 Prozent der US-Bevölkerung den Einsatz von Bodentruppen im Iran ab – ein Wert, der in Washington nicht unbemerkt bleibt.


Quellen: Washington Post (washingtonpost.com), Weltwoche (weltwoche.de), Axios (axios.com), t-online.de, Al Jazeera (aljazeera.com), 20 Minuten (20min.ch), Wall Street Journal (wsj.com, zit. n. hersfelder-zeitung.de)

Credits: APA

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