Verteidigungsminister Pete Hegseth zieht einen radikalen Schlussstrich: Ab dem kommenden Studienjahr schickt das US-Militär keine Offiziere mehr an die Elite-Universität. Der Vorwurf: zu ideologisch, zu China-nah, zu wenig Amerika.
Die Trennung
Es ist ein historischer Bruch. Wie Reuters berichtet, beendet das Pentagon alle militärischen Ausbildungsprogramme, Fellowships und Zertifikatslehrgänge an der Harvard University. Ab dem Studienjahr 2026/27 werden keine neuen Offiziere mehr an die Ivy-League-Universität entsandt.
Verteidigungsminister Pete Hegseth begründete die Entscheidung am Freitag in einem Video auf X mit klaren Worten: Harvard entspreche nicht mehr den Bedürfnissen des Verteidigungsministeriums. Die Universität sei eine „Fabrik für woke Ideologie“ und ein „heißes Zentrum von Hass-auf-Amerika-Aktivismus“.
Der Vorwurf: Ideologie statt Kampfkraft
„Zu lange hat dieses Ministerium seine besten und klügsten Offiziere nach Harvard geschickt“, erklärte Hegseth laut Washington Post. Die Hoffnung: Die Universität würde die Krieger besser verstehen und schätzen. Das Ergebnis sei das Gegenteil gewesen.
Viele Offiziere seien zurückgekommen „mit Köpfen voller globalistischer und radikaler Ideologien, die unsere Kampfkraft nicht verbessern“, so der Verteidigungsminister. Harvard habe nicht mehr den Fokus auf „Schlagkraft“ und „Abschreckung“, den das Pentagon benötige.
Wie The Hill berichtet, postete Hegseth auf X: „Harvard ist woke; das Verteidigungsministerium ist es nicht.“ Seine Botschaft: „Wir trainieren Krieger, nicht Wokesters.“
China-Verbindungen im Fokus
Ein weiterer Kritikpunkt: die finanziellen Verbindungen zu China. Laut Recherchen der New York Times erhielt Harvard zwischen 2010 und 2025 rund 560 Millionen Dollar aus China. Das Pentagon sieht darin ein Sicherheitsrisiko.
Harvard Crimson dokumentiert, dass die Universität allein zwischen Januar 2020 und heute 151 Millionen Dollar von ausländischen Regierungen erhielt. China gehört dabei zu den größten Geldgebern – zusätzlich zu England, der Schweiz und Hongkong.
Der Vorwurf des Pentagons: Forschungskooperationen mit der Kommunistischen Partei Chinas seien mit den Interessen der nationalen Sicherheit nicht vereinbar.
Antisemitismus-Vorwürfe
Hegseth wirft Harvard zudem vor, ein Campus-Klima zu fördern, das die Hamas feiere und Angriffe auf jüdische Studenten zulasse. Die pro-palästinensischen Proteste auf dem Campus hatten im vergangenen Jahr für massive Kritik gesorgt.
Wie CBS News berichtet, argumentiert das Pentagon, Harvard habe „grundlegend versagt“, amerikanische Studenten und Fakultätsmitglieder vor antisemitischer Gewalt und Belästigung zu schützen.
Die persönliche Note
Brisant: Hegseth selbst erwarb 2013 einen Master-Abschluss an Harvards Kennedy School of Government. Doch 2022 gab er sein Diplom aus Protest zurück – in einer Fox-News-Sendung schrieb er „Return to Sender“ darauf und schickte es symbolisch zurück. Der Grund damals: Lehrveranstaltungen zur Critical Race Theory.
Das Pentagon teilte jetzt ein Video dieser Aktion über seine Social-Media-Kanäle – eine klare Botschaft an die akademische Elite.
Trump verschärft den Druck
Parallel dazu erhöht Präsident Donald Trump den Druck auf Harvard. Wie Reuters meldet, fordert er eine Milliarde Dollar Schadenersatz von der Universität. Der Vorwurf: Harvard füttere den Medien „eine Menge Unsinn“.
Die Trump-Administration hat bereits 2,2 Milliarden Dollar an Forschungsgeldern für Harvard eingefroren und droht damit, den Steuerstatus der Universität anzugreifen. Gerichte blockierten einige dieser Maßnahmen teilweise.
Andere Unis auf dem Prüfstand
Hegseth kündigte an, dass auch Partnerschaften mit anderen Ivy-League-Universitäten in den kommenden Wochen überprüft würden. Das Ziel: feststellen, ob diese Programme kosteneffiziente strategische Bildung für künftige Führungskräfte liefern – oder ob militärische Bildungseinrichtungen und öffentliche Universitäten bessere Alternativen darstellen.
Bereits laufende Studiengänge dürfen noch abgeschlossen werden. Die Trennung wird zum Start des akademischen Jahres 2026/27 vollzogen.
Harvard verteidigt sich
Ein Harvard-Sprecher verwies gegenüber Reuters auf die lange Geschichte der Zusammenarbeit mit dem US-Militär. Harvard habe seit der Gründung der Nation eine „bedeutende Rolle“ in Amerikas militärischen Traditionen gespielt.
Die Universität hatte die Trump-Administration bereits wegen des Versuchs verklagt, Bundesmittel einzufrieren. Ein Bundesrichter entschied in beiden Fällen zugunsten von Harvard. Die Regierung hat Berufung eingelegt.
Das Signal
Für Beobachter ist klar: Dies ist mehr als nur eine Bildungsentscheidung. Es ist ein politisches Statement im Kulturkampf zwischen konservativer Politik und akademischer Elite. Die Frage dahinter: Wer definiert die Werte der künftigen militärischen Führung Amerikas?
Die Antwort der Trump-Administration ist eindeutig – und sie kommt mit Nachdruck.
Credits: APA
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