Paukenschlag bei Lohnverhandlungen: Gewerkschaft bricht mit alter Tradition

Paukenschlag bei Lohnverhandlungen: Gewerkschaft bricht mit alter Tradition

Es ist ein Manöver, das die gesamte Branche aufhorchen lässt: Zum Auftakt der Herbstlohnrunde in der österreichischen Metallindustrie kommt es zu einem beispiellosen Bruch mit einer eisernen Regel. Statt wie üblich mit einer klaren, prozentuellen Forderung in die Gespräche zu gehen, hüllt sich die Gewerkschaft in Schweigen. Ein Paukenschlag, der die ohnehin schon angespannten Verhandlungen zusätzlich anheizt.

Taktisches Schweigen statt klarer Ansage

Am Montagnachmittag startete die traditionell wichtigste Lohnrunde des Landes, die als Richtschnur für viele andere Branchen gilt. Doch dieses Jahr ist alles anders. Reinhold Binder, der Chef der Metallergewerkschaft PRO-GE, sorgte für die große Überraschung. „Wir werden in die Verhandlungen völlig offen gehen“, erklärte er, wie unter anderem der ORF berichtet. Eine Nulllohnrunde schloss er zwar kategorisch aus, doch auf eine konkrete Zahl wollte er sich nicht festlegen lassen. Damit weicht die Gewerkschaft erstmals von ihrer jahrelang bewährten Strategie ab, ihre Karten sofort auf den Tisch zu legen.

Arbeitgeber warnen vor zu hohen Kosten

Auf der anderen Seite herrscht Alarmstimmung. Die Arbeitgebervertreter malen ein düsteres Bild der wirtschaftlichen Lage und fordern vehement Zurückhaltung. „Wir haben mehr als 20 Prozent an Produktionsleistung verloren“, warnte Christian Knill, der Obmann der Metalltechnischen Industrie, im ORF-Radio. Er verwies auf steigende Kosten und den bereits erfolgten Abbau von 10.000 Arbeitsplätzen.

Wie das Industriemagazin berichtet, ist der Standort Österreich für die Arbeitgeber schlicht zu teuer geworden. Knill zielt auf einen Abschluss, der unter der rollierenden Inflation von 2,8 Prozent liegt und orientiert sich lieber am Zwei-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank.

Harte Fronten bei schwieriger Ausgangslage

Die Ausgangslage könnte kaum komplizierter sein. Die Verhandlungen betreffen rund 190.000 Beschäftigte und sind entscheidend für die Kaufkraft und die Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Während die Gewerkschaften auf die Sicherung der Reallöhne pochen, verweisen die Arbeitgeber auf eine schwächelnde Konjunktur und den internationalen Druck.

Beide Seiten scheinen sich zumindest in einem Punkt einig zu sein: Man befindet sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation. Doch wie der Weg aus dieser Krise aussehen soll, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Das ungewöhnliche Schweigen der Gewerkschaft zu Beginn der Verhandlungen lässt auf einen langen und harten Verhandlungspoker schließen, dessen Ausgang völlig offen ist.

Credits: APA

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