Pasterze: Gletscher gab 6000 Jahre alten Baum frei

Pasterze: Gletscher gab 6000 Jahre alten Baum frei

Der Sensationsfund auf der Kärntner Seite des Großglockners sollte uns auch zehn Jahre später zum Nachdenken über manche Prognosen diverser Experten an Hitzetagen wie heute bringen: Im Juni 2015 wurde eine 6000 Jahre alte Zirbe aus dem Gletschervorfeld der Pasterze geborgen. Ein stummer Zeuge eines längst vergangenen Ökosystems im Hochgebirge.

Die Pasterze, mit ihren acht Kilometern Länge der größte Gletscher Österreichs, zieht sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts aufgrund des Klimawandels kontinuierlich zurück. Dabei gibt sie zunehmend organisches Material frei – unter anderem alte Holz- und Torffragmente, die neue Einblicke in die postglaziale Vegetationsgeschichte der Alpen ermöglichen.

„Dieser Fund ist von außergewöhnlicher Bedeutung“, betonte im Juni 2015 Dr. Andreas Kellerer-Pirklbauer von der Universität Graz, einer der beteiligten Wissenschaftler, im Online-Medium Osttirolheute. „Er zeigt, dass in Bereichen, die heute von Eis, Geröll und Schmelzwasser bedeckt sind, einst Wald stand – mit hochstämmigen Zirben.“ Die dendrochronologischen Daten bestätigen, dass zwischen 3500 und 9000 Jahren vor heute zeitweise Bäume in der Region wuchsen – ein Hinweis auf wärmere Klimaphasen.

Grüne Berge vor Kältewelle

Entdeckt wurde der Baumstamm bereits im Herbst 2014 von Mitarbeitenden der Großglockner Gletscherbahn. Die Bergung wurde nun im Sommer 2015 in enger Zusammenarbeit mit Fachleuten durchgeführt. „Den Fund zu sichern, zu analysieren und auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist uns ein großes Anliegen“, erklärte Dr. Andreas Ermacora, Präsident des Alpenvereins.

Die Nationalparkdirektion berichtet von der guten Erreichbarkeit des Fundortes: Von der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe aus ist das Gletschervorfeld der Pasterze über die Gletscherbahn und einen 30-minütigen Fußmarsch zu erreichen. Besucher können dabei nicht nur die Gletscherlandschaft hautnah erleben, sondern erhalten bei Führungen mit Nationalpark-Rangern auch Einblicke in die geologische und ökologische Geschichte der Region.

Gletscher als Fenster in die Vergangenheit

Der Fund reiht sich ein in eine Serie von bedeutenden Entdeckungen im alpinen Raum, die durch das Abschmelzen der Gletscher möglich werden. Für Forscher sind solche Objekte von unschätzbarem Wert: Sie erlauben Rückschlüsse auf Klimaveränderungen, Baumgrenzen vergangener Jahrtausende und das Leben in einer Zeit lange vor unserer Zivilisation.

Credit: APA

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