ORF-Wahl im Chaos: Schreiduell, „Putz dich!“ und kein Ende in Sicht

ORF-Wahl im Chaos: Schreiduell, „Putz dich!“ und kein Ende in Sicht

Sieben Stunden Hearing, Brüllattacken zwischen Stiftungsräten und ein Favorit, der fast drei Stunden befragt wurde — die ORF-Wahl vom 11. Juni 2026 wird als eine der turbulentesten in der Geschichte des Senders in die Bücher eingehen.

Pig unter Beschuss — fast drei Stunden befragt

Favorit Clemens Pig, APA-CEO und Wunschkandidat von ÖVP- und SPÖ-nahen Stiftungsräten, hatte das längste Hearing aller neun Kandidaten. Seine Befragung dauerte laut Medienberichten insgesamt fast drei Stunden — rund 20 Minuten Konzeptpräsentation, über zwei Stunden Fragen. Danach trat Pig kurz vor die wartenden Journalisten, wirkte laut oe24.at entspannt und kommentierte nur: das Hearing sei „gut, aber lang“ gewesen. Ein Statement wollte er noch nicht abgeben.

Hauptakteur der Eskalation war FPÖ-entsandter Stiftungsrat Peter Westenthaler. Er fragte Pig 40 Minuten lang, brachte den Vorwurf, Pigs Konzept sei mit Künstlicher Intelligenz erstellt worden — was Pig laut oe24.at vehement zurückwies. Westenthaler erkundigte sich auch, ob Pig mit Stiftungsratschef Heinz Lederer über Direktorenposten gesprochen habe. Diese Frage brachte das Fass zum Überlaufen.

„Putz dich!“ — und ein Widerspruch

Daraufhin eskalierte die Sitzung vollends. Lederer und Vizevorsitzender Gregor Schütze sollen laut Berichten aus der Sitzung gebrüllt haben, die Frage sei unzulässig. Laut Der Standard soll Westenthaler anschließend „Putz dich!“ zugerufen haben. ÖVP- und SPÖ-nahe Stiftungsräte beschwerten sich über Westenthalers Befragungsstil und warfen ihm Suggestivfragen vor.

Westenthaler widersprach der Darstellung: Das „Putz dich“ habe nicht Lederer, sondern dessen Stellvertreter Schütze gegolten. Mehrere Ohrenzeugen sprachen laut oe24.at von einer „Schande“ für das Gremium.

Larcher als Überraschungskandidat?

Im Hintergrund sollen mehrere ÖVP-Stiftungsräte überlegen, ob sie nicht doch Ex-HBO-Manager Johannes Larcher ihre Stimme geben — was eine Stichwahl wahrscheinlicher machen würde, wie oe24.at aus ORF-Insiderkreisen berichtet. Pig gilt zwar mit rund 20 Stimmen weiterhin als Favorit, die Mehrheit von 18 Stimmen aber ist nicht garantiert.

Weitere Stimmprognosen laut oe24.at: NEOS-nahe Stiftungsräte tendieren zu Markus Breitenecker, Lisa Totzauer bekommt voraussichtlich eine Stimme des Betriebsrats sowie eine von SPÖ-Stiftungsrat Leonhard Dobusch und möglicherweise jene der grünen Stiftungsrätin. Kathrin Zierhut-Kunz dürfte die beiden FPÖ-Stimmen bekommen — und soll intern als mögliche kaufmännische Direktorin gehandelt werden.

Anwalt schreibt an Stiftungsräte — Lederer nennt es „furchtbar“

Für zusätzliche Nervosität sorgte ein Anwaltsschreiben an die Stiftungsräte, verfasst von Johannes Zink — dem Anwalt von Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) — mit Hinweisen auf mögliche strafrechtliche und zivilrechtliche Konsequenzen. Stiftungsratschef Lederer bezeichnete das Brief als „furchtbar“ und versicherte: „Niemand des Gremiums muss sich Sorgen machen.“

Die Wahl findet nach Abschluss aller Hearings statt — nach sieben Stunden Sitzung waren Breitenecker, Altenburger, Totzauer und Sagmeister noch an der Reihe.

Credits: Von Rszuka – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=129004598

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