EZB dreht die Zinsspirale: Erstmals seit fast drei Jahren steigen die Leitzinsen

EZB dreht die Zinsspirale: Erstmals seit fast drei Jahren steigen die Leitzinsen

Der Iran-Krieg treibt die Inflation — und die EZB zieht die Konsequenzen. Frankfurt erhöht den Leitzins erstmals seit September 2023. Für Sparer gibt es gute Nachrichten, für Kreditnehmer schlechte.

Die Entscheidung

Die Europäische Zentralbank hat am Donnerstag den Einlagensatz um 25 Basispunkte von 2,0 auf 2,25 Prozent angehoben, wie Reuters direkt nach der EZB-Sitzung berichtet. Es ist die erste Zinserhöhung seit fast drei Jahren — die letzte gab es im September 2023, nach dem aggressiven Straffungszyklus zur Bekämpfung der Post-Pandemie-Inflation. Danach hatte die EZB den Zins siebenmal in Folge bei 2,0 Prozent belassen und zuletzt mehrfach gesenkt.

Der Grund: Iran-Krieg befeuert Inflation

Die Ursache ist klar und direkt benannt. EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte laut dem Irish Times-Liveblog der Pressekonferenz: „Der Krieg im Nahen Osten bleibt eine wesentliche Quelle der Unsicherheit. Je länger die Energiepreise hoch bleiben, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie eine breitere Inflation antreiben.“ Die EZB hob ihre Inflationsprognose für 2026 von 2,6 auf 3,0 Prozent an — und für 2027 von 2,0 auf 2,3 Prozent. Das EZB-Ziel von zwei Prozent wird nun erst für 2028 erwartet.

Gleichzeitig senkte die EZB ihre Wachstumsprognose für den Euroraum auf nur mehr 0,8 Prozent für 2026, wie oe24.at berichtet. Das ist das Dilemma der Notenbank: steigende Preise bei gleichzeitig schwacher Konjunktur — eine klassische Stagflations-Konstellation. Lagarde fasste es laut FXStreet so: „Upside risks for inflation and downside risks for economic growth.“

Was das für Österreich bedeutet

Höhere Leitzinsen bedeuten: Kredite werden teurer — insbesondere variable Hypothekarkredite, die direkt am Euribor hängen. Wer in den vergangenen Jahren von niedrigen variablen Zinsen profitiert hat, muss nun mit steigenden Raten rechnen. Sparer hingegen profitieren, wenn Banken die Zinserhöhung weitergeben — was erfahrungsgemäß nicht automatisch und nicht sofort passiert.

Nächste Erhöhung im September erwartet

Die EZB hat keine explizite Vorwärtsguidance gegeben — das ist ihrer „datengetriebenen“ Linie geschuldet. Von Reuters befragte Ökonomen rechnen aber bereits für September mit einer weiteren Zinsanhebung. Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, sagte laut oe24.at: „Da die Inflation im Euroraum drei Prozent überschritten hat und wenig Aussicht auf Entspannung im Iran-Konflikt besteht, ist eine Zinserhöhung jetzt der richtige Schritt.“

Die EZB will damit verhindern, dass die Energieschocks sich in einer breiteren Inflationswelle niederschlagen — so wie es 2022 nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs geschah, als die Teuerung auf über zehn Prozent stieg.

Credits: 2026 European Central Bank www.ecb.europa.eu

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