Klenk lobt Marterbauer, Marterbauer dankt — und das Internet dreht durch

Klenk lobt Marterbauer, Marterbauer dankt — und das Internet dreht durch

Ein Tweet reicht, und schon steht die Frage im Raum: Wie nah darf ein Journalist einem Politiker sein? Falter-Chefredakteur Florian Klenk und Finanzminister Markus Marterbauer liefern gerade ein Lehrstück in schlechter Social-Media-Hygiene.

Was auf Bluesky passierte

Falter-Chefredakteur Florian Klenk postete auf Bluesky lobende Worte für Marterbauers Budgetrede: „Marterbauers Budgetrede ist eine Wohltat. Eine kluge politische Rede, fundiert und ruhig. Was für ein Unterschied zu seinen Vorgängern.“

38 Minuten später antwortete Finanzminister Markus Marterbauer direkt auf das Klenk-Posting: „Danke für die Blumen!“ Und noch einen drauf: Marterbauer postete selbst eine Kolumne von Falter-Herausgeber Armin Thurnher und schrieb, in der Seuchenkolumne vorzukommen sei „eine besondere Ehre“. Thurnher antwortete: „Wohlverdient!“

Was daran problematisch ist

Die Kritik aus der Netzgemeinde ließ nicht lange auf sich warten. Agenda-Austria-Chef Franz Schellhorn kommentierte auf X trocken: „Kühler, distanzierter Journalismus. So wichtig in dieser schrillen Zeit.“ User Thomas Oysmüller fragte: „Ist der Finanzminister ein Angestellter des Falter oder ist der Falter eine Außenstelle des Finanzministeriums?“ User Chris Veber fügte hinzu: „Naja, Klenks größter Anzeigenkunde dürfte der Staat in allen seinen Manifestationen sein.“

Das Grundproblem ist klar: Journalismus lebt von Distanz zur Macht — nicht davon, Mitgliedern der Regierung öffentlich zu schmeicheln und deren Dankesworte zu empfangen. Ein Chefredakteur, der ein Ministerium berichterstattend begleitet, sollte öffentlich keine Liebesbekundungen mit dessen Chef austauschen. Das beschädigt nicht nur das Bild des Falter — es liefert jenen Munition, die ohnehin behaupten, bestimmte Medien seien Sprachrohre der SPÖ.

Die Einordnung — mit Quellenhinweis

Hier ist Transparenz geboten: Der Ausgangsbericht stammt von oe24.at — einem Medium, das in direkter Konkurrenz zum Falter steht und regelmäßig als politisch rechts positioniert beschrieben wird. Das macht die Kritik am Falter-Marterbauer-Austausch nicht falsch — aber es ist kein neutraler Beobachter, der hier die Augenbraue hebt. Der Vorwurf mangelnder journalistischer Distanz ist in diesem Fall berechtigt. Dass er von einem Medium kommt, das selbst nicht frei von Eigeninteressen ist, sollte beim Lesen mitgedacht werden.

Credits: Christopher Dunker, BKA

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