Der Rücktritt von ORF-General Roland Weißmann hat eine zweite Debatte entfacht, die noch brisanter sein könnte als die erste: Was steckt hinter den Verträgen, Gehältern und Pensionszusagen aus der Ära seines Vorgängers Alexander Wrabetz — und wessen Interessen spielen im laufenden Machtkampf wirklich eine Rolle?
Der Mann im Zentrum: Pius Strobl und sein 2,4-Millionen-Deal
Den Kern des Finanzstreits bildet ein Pensionsvertrag, den ORF-Spitzenmanager Pius Strobl bereits im Jahr 2010 von Wrabetz erhalten haben soll. Wie exxpress.at berichtet, handle es sich dabei um eine „freiwillige Pensionsleistung“ als Zusatz zur regulären Valida-Pension — ein Vertrag, der erst mit dem tatsächlichen Pensionsantritt Strobls in Kraft tritt.
Wie oe24 berichtet, wurde beim Stiftungsrat bekannt, dass der ORF für diesen Anspruch Rückstellungen von 2,4 Millionen Euro gebildet hat — enthüllt von ORF-Finanzchefin Eva Schindlauer in der Sitzung. Ex-General Weißmann ließ den Vertrag rechtlich prüfen und kam laut eigenen Angaben zum Schluss, dass die Ansprüche nicht zu Recht bestünden. Wie exxpress.at weiter berichtet, lehnte auch die neue interimistische Generaldirektorin Ingrid Thurnher die Forderung ab — sie bestreitet sogar, dass die Vereinbarung wirksam zustande gekommen sei. Strobl hingegen kündigte gegenüber dem Standard an, die Zusatzpension nach Auslaufen seines Vertrags Ende 2026 beim Arbeits- und Sozialgericht einklagen zu wollen.
Dabei verdient Strobl schon jetzt mehr als jeder Generaldirektor: Wie horizont.at berichtet, lag sein Jahresgehalt zuletzt bei rund 451.700 Euro brutto — er ist damit der bestbezahlte Manager am Küniglberg.
Die Verflechtung, die alles kompliziert
Wie exxpress.at berichtet, arbeitet jene Mitarbeiterin, die die Vorwürfe sexueller Belästigung gegen Weißmann erhoben hat, in einer Abteilung unter Strobls Zuständigkeit. Zusätzlich bestätigt Strobl selbst, dass er der betroffenen Frau geraten habe, sich an einen Anwalt zu wenden — und zwar an denselben Anwalt, der auch Strobls Interessen im Pensionsstreit vertritt. Weißmanns Rechtsvertreter Oliver Scherbaum hebt diesen Umstand laut oe24 ausdrücklich hervor. Strobl bezeichnete es als „lächerlich“, daraus eine Intrige zu konstruieren. Ein direkter Zusammenhang ist nicht belegt; für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.
Gehaltssprung 2012: Wie die Führungsebene dauerhaft aufgewertet wurde
Neben dem Strobl-Deal rückt exxpress.at eine weitere Strukturentscheidung aus der Wrabetz-Ära ins Bild: Im Jahr 2012 wurden die Grundgehälter der ORF-Direktoren pauschal um rund zehn Prozent erhöht — zu einem Zeitpunkt, als übliche ORF-Lohnrunden bei zwei bis drei Prozent lagen. Für den Generaldirektor, der damals rund 410.000 bis 420.000 Euro verdiente, entspricht das einem dauerhaften Aufschlag von rund 40.000 Euro jährlich. Diese Struktur blieb maßgeblich und erklärt, warum Topgehälter im ORF bis heute auf diesem Niveau liegen.
Robert Kratky — Sondervertrag außerhalb der Norm
Ein weiterer Fall, den exxpress.at dokumentiert: Der Sondervertrag von Ö3-Moderator Robert Kratky lag zuletzt bei rund 472.701 Euro jährlich — außerhalb des Kollektivvertrags und der Wrabetz-Ära zugerechnet. Kratky hat den ORF inzwischen verlassen. Sein Vertrag gilt als Musterbeispiel für das System der Einzelfallregelungen, das unter Wrabetz für Schlüsselpersonen gepflegt wurde.
Westenthaler: „Fall für die Gerichte“
FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler erklärte nach der Stiftungsratssitzung laut exxpress.at klar, der Strobl-Pensionsvertrag sei „überschießend“ und ein „Fall für die Gerichte“. Weißmann und Finanzchefin Schindlauer hätten richtig gehandelt, den Vertrag nicht umzusetzen. Strobl wiederum beklagt gegenüber horizont.at „massives Mobbing und Bossing“ aus Weißmanns Umfeld sowie gesundheitliche Folgen bis hin zu einem Burnout im Mai des Vorjahres.
Quellen:
- exxpress.at: Millionen-Deals aus Wrabetz-Zeit: Bestimmen alte Verträge den ORF-Machtkampf? (19.3.2026)
- exxpress.at: Lederer und Strobl: ORF-Skandal rückt zwei Karrieren ins Rampenlicht
- exxpress.at: Streit um 2,4 Millionen Euro Pension: ORF-Manager kündigt Klage an
- exxpress.at: ORF-Skandal: Westenthaler nennt Strobl-Pensionsvertrag „Fall für Gerichte“
- oe24.at: Akte Strobl: Millionen-Streit der ORF-Chefs
- oe24.at: ORF-Skandal um 2,4 Millionen Euro Pension für Pius Strobl
- horizont.at: Pius Strobl nimmt erstmals Stellung zu Gerüchten (12.3.2026)
- vol.at: Nach Weißmann-Rücktritt: ORF-Manager Pius Strobl äußert sich zu Vorwürfen und Pensionsfrage
- heute.at: Pius Strobl — Bald in Luxus-Pension! ORF-Gagenkaiser will Millionen
Credits: APA
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