ORF-III-Belegschaft läuft Sturm gegen Sparpläne

ORF-III-Belegschaft läuft Sturm gegen Sparpläne

Der ORF steht vor einem massiven Sparprogramm, und ausgerechnet der Kultur- und Infosender ORF III soll besonders hart getroffen werden. Die Belegschaft wehrt sich nun öffentlich – mit einem Offenen Brief an die Führungsspitze, wie SN.at berichtet.

Eine Halbierung, die es so noch nie gab

In dem Schreiben an ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher und den designierten Generaldirektor Clemens Pig appelliert die ORF-III-Belegschaft, die geplanten Einsparungen von 50 Prozent des 15 Millionen Euro schweren Programmbudgets noch einmal zu überdenken. „Eine Halbierung des Programmbudgets ist im ORF-Konzern beispiellos“, zitiert SN.at aus dem Brief. Angesichts der ohnehin schon vergleichsweise niedrigen Produktionskosten und Gehälter bei ORF III entbehre der Plan zudem jeder wirtschaftlichen Logik, heißt es weiter. Konkret soll der Sender laut einem Bericht von derStandard.at ab dem kommenden Jahr rund sieben von 15 Millionen Euro seines Programmbudgets streichen – bei einem Gesamtbudget des Senders von rund 30 Millionen Euro.

Beliebte Sendungen in Gefahr

Die Belegschaft befürchtet handfeste Folgen für das Programm. Wie Heute.at aus dem Offenen Brief zitiert, stünde ein jährliches Angebot von rund 2.300 originären Programmstunden auf dem Spiel – von Live-Übertragungen aus Konzert und Kabarett bis zu Information und Regionalkultur. Sendungen wie „Land der Berge“, die „Runde der ChefredakteurInnen“ und Opernübertragungen im Hauptabend könnten dem Sparkurs zum Opfer fallen, warnen die Mitarbeiter. Die Betriebsratsvorsitzende von ORF III, Emily Erhold, wird von Heute.at zitiert: Sie hält die geplante Kürzung ebenfalls für „beispiellos“ und wirtschaftlich nicht nachvollziehbar.

Sorge vor Eingliederung ins Mutterhaus

Hinter den Sparplänen steckt offenbar mehr als nur eine Budgetkürzung. Wie SN.at berichtet, waren bereits vor der Wahl des neuen Generaldirektors Pläne kolportiert worden, den bisher als eigenständige Tochtergesellschaft geführten Sender in das ORF-Mutterhaus einzugliedern. Die kaufmännische Geschäftsführerin von ORF III, Kathrin Zierhut-Kunz, die sich selbst um die ORF-Spitzenposition beworben hatte, warnte in internen Diskussionsrunden davor, zu glauben, der Sender werde durch eine solche Eingliederung günstiger.

„Unternehmensschädigende Sparpolitik“

In deutlichen Worten wendet sich die Belegschaft gegen den drohenden Stellenabbau: „Wir, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wehren uns entschieden dagegen, dass unser Programm und unsere Arbeitsplätze einer unverhältnismäßigen und unternehmensschädigenden Sparpolitik geopfert werden“, zitiert SN.at aus dem Brief. Zugleich betont die Belegschaft, dass auch ORF III einen Beitrag zu den konzernweiten Sparvorgaben leisten müsse – die Höhe der geplanten Kürzung sei jedoch unverhältnismäßig. Eine 15-jährige Aufbauarbeit drohe damit zunichtegemacht zu werden.

ORF verweist auf enormen Spardruck

Der ORF selbst wollte laut SN.at gegenüber der APA weder die genaue Höhe noch inhaltliche Details zu den kolportierten Einsparungen bei ORF III kommentieren. Der Spardruck sei enorm, hieß es aus dem Konzern. Trotz größtmöglicher Anstrengungen bei strukturellen Einsparungen seien direkte Auswirkungen auf die Programmproduktion unumgänglich, so eine Stellungnahme des ORF, wie derStandard.at berichtet. Ziel bleibe es, die Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Kernaufträge sicherzustellen; aktuell würden „programmliche und produktionsstrukturelle Doppel- oder Mehrgleisigkeiten“ im Konzern evaluiert und gegebenenfalls bereinigt.

Personelle Weichenstellung bereits erfolgt

Erste personelle Konsequenzen gibt es bereits: Ende Juni ließ der ORF den Vertrag von ORF-III-Programmchef Peter Fässlacher auslaufen, wie SN.at berichtet. Seine Agenden hat mittlerweile Chefredakteurin Lou Lorenz-Dittlbacher übernommen.

Credits: Wikipedia

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x