Wien – Der Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann sorgt für Aufsehen. Der 57-Jährige legte sein Amt nieder, nachdem eine Mitarbeiterin Vorwürfe sexueller Belästigung erhoben hatte. Weißmann bestreitet die Anschuldigungen, doch die Ereignisse werfen ein Schlaglicht auf die internen Machtkämpfe beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
Die Vorwürfe und der Rücktritt
Wie Heinz Lederer, Vorsitzender des ORF-Stiftungsrats, gegenüber „oe24“ erklärte, seien „Schrift-, Ton- und Bildmaterial“ vorgelegt worden, die ein Fehlverhalten Weißmanns nahelegen. Die Vorwürfe beziehen sich auf Ereignisse aus dem Jahr 2022, zu Beginn seiner Amtszeit. Laut Lederer habe Weißmann die Möglichkeit gehabt, die Vorwürfe zu klären, was jedoch nicht geschah. Stattdessen erklärte er am Sonntag seinen Rücktritt.
Weißmanns Anwalt Oliver Scherbaum widerspricht dieser Darstellung vehement. In einer Aussendung erklärte er, sein Mandant sei „nicht freiwillig“ zurückgetreten, sondern habe dies „aus wichtigem Grund“ getan, um Schaden vom ORF abzuwenden. Scherbaum betonte, dass Weißmann gedrängt worden sei, ungeachtet der Wahrheit oder Unwahrheit der Vorwürfe.
Intrigen und Machtkämpfe
Die Causa hat eine Welle von Spekulationen ausgelöst. Gerüchte über interne Intrigen machen die Runde. So wird gemunkelt, dass die betroffene Mitarbeiterin eine Beziehung zu einem hochrangigen ORF-Mitarbeiter gehabt haben soll, der um Pensionsansprüche streitet. Lederer wies diese Gerüchte entschieden zurück und betonte, dass die betroffene Frau vollen Schutz genieße.
Politisch wird der Fall ebenfalls ausgeschlachtet. Die FPÖ fordert eine „Totalreform“ des ORF und kritisiert den Sender als „zwangssteuerfinanzierten Regierungslautsprecher“. Auch die Neos fordern Reformen, insbesondere eine Entpolitisierung des Stiftungsrats.
Wie geht es weiter?
Interimistisch soll Radiodirektorin Ingrid Thurnher die Leitung des ORF übernehmen. Die endgültige Nachfolge wird im August entschieden. Als mögliche Kandidaten gelten unter anderem Alexander Hofer, Lisa Totzauer und Philipp König.
Der Fall Weißmann trifft den ORF in einer schwierigen Phase. Neben der Organisation des Eurovision Song Contests steht im Herbst eine geplante Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf der Agenda. Die Vorwürfe und der Rücktritt werfen nun einen Schatten auf die Zukunft des Senders.
quellen: oe24.at, profil.at, bild.de, diepresse.com, sueddeutsche.de
credits: APA
Neueste Kommentare