Es wird ungemütlich für Heinz Lederer. Der Vorsitzende des ORF-Stiftungsrats steht massiv in der Kritik. Eigentlich soll er als oberster Kontrolleur dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk genau auf die Finger schauen. Doch nun rücken seine eigenen geschäftlichen Verflechtungen ins Rampenlicht. Wir sehen uns an, wie sich private Interessen und öffentliche Pflichten in dieser Causa vermischen.
Ein äußerst fragwürdiger Doppeljob
Im Zentrum der Vorwürfe steht das historische ORF-Funkhaus in Wien. Wie Profil berichtet, betreute Lederers PR-Agentur zwischen Jänner und November 2022 die Vorarlberger Rhomberg-Gruppe. Das Brisante daran: Genau dieses Bauunternehmen kaufte bereits 2016 große Teile des Funkhauses vom ORF.
Während der Sender und Rhomberg über die komplexe gemeinsame Nutzung des Gebäudes verhandelten, saß Lederer bereits im Stiftungsrat. Gleichzeitig ließ er sich von Rhomberg für „Stakeholder-Kommunikation und Reputationsmanagement“ bezahlen. Für viele Kritiker ist das eine klassische Unvereinbarkeit. Ein Kontrolleur des ORF arbeitet auf der Gehaltsliste eines direkten Geschäftspartners.
Keine Spur von Transparenz
Lederer selbst sieht das offenbar völlig entspannt. Wie oe24.at berichtet, bestätigte er das Mandat, bestreitet aber jeden Verstoß gegen die strengen Compliance-Regeln. Er habe das Gremium nicht über seinen Nebenjob informiert, weil es „zu keiner Zeit erforderlich“ gewesen sei. Er beteuert zudem, keinen Einfluss auf die geschäftlichen Entscheidungen zwischen dem ORF und der Baufirma genommen zu haben.
Doch die Liste der Ungereimtheiten wird länger. Wie die Krone berichtet, taucht Lederers Name auch in den Honorarnoten von Stefan Prochaska auf. Dieser ist der Anwalt des gefallenen Immobilien-Tycoons René Benko. Diese Kontakte fallen genau in jene Zeit, in der die Signa-Gruppe wegen kritischer ORF-Berichte höchst alarmiert war.
Luxus-Tickets und dicke Luft am Küniglberg
Auch Lederers Vorliebe für exklusive Events sorgt intern für Kopfschütteln. Er feierte im VIP-Bereich beim Kitzbüheler Hahnenkammrennen. Das teure Ticket stammte aus einem internen ORF-Kartenkontingent. Seine Rechtfertigung dafür lautet, dass die hauseigene Compliance-Abteilung den Ausflug abgesegnet habe. Er habe dort schließlich berufliche Gespräche geführt.
Die Luft an der ORF-Spitze wird jedenfalls merklich dünner. Wie die Kleine Zeitung berichtet, wirft der ehemalige ORF-Generaldirektor Roland Weißmann dem Stiftungsratschef sogar vor, Unwahrheiten zu verbreiten. Nun soll eine eigene Taskforce die Führungskultur im Sender ganz genau unter die Lupe nehmen. Wir werden sehen, ob Lederer diesen Sturm unbeschadet übersteht oder ob ihn seine lukrativen Beraterjobs das hohe Amt kosten.
Quellen: oe24.at, Profil, Krone, Kleine Zeitung
Credits: APA
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