ORF-Affäre Weißmann: Neue brisante Details — „Das wird schon stimmen“

ORF-Affäre Weißmann: Neue brisante Details — „Das wird schon stimmen“

Der Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann zieht weitere Kreise. Nun werden Details aus den entscheidenden Gesprächen vor seinem Abgang öffentlich — und die juristische Auseinandersetzung eskaliert.

Stiftungsrats-Anwalt: Weißmann bestätigte das Material im Kern

Wie oe24 unter Berufung auf die Presse berichtet, hat der Anwalt des Stiftungsrats, Roland Gerlach, klargestellt, dass Weißmann die gegen ihn vorliegenden Belege für sexuelle Belästigung bei einer direkten Konfrontation im Kern nicht bestritten hat. Auf die Frage nach der Echtheit des Materials soll Weißmann wiederholt geantwortet haben: „Das wird schon stimmen.“ Laut Gerlach sei Weißmann dadurch als Generaldirektor „untragbar“ geworden.

Weißmanns eigene Anwälte zeichnen ein anderes Bild: Wie nachrichten.at auf Basis einer Aussendung der Rechtsvertreter berichtet, habe Weißmann die Vorwürfe bestritten und sei über den genauen Sachverhalt bis zuletzt nicht vollständig informiert worden. Trotzdem sei er „um Schaden vom Unternehmen abzuwenden“ zurückgetreten. Sein Anwalt Oliver Scherbaum bezeichnete die mediale Verbreitung der Vorwürfe als „völlig unangemessene und überschießende Reaktion.“

Was dem Ex-ORF-Chef vorgeworfen wird

Wie profil berichtet, dem der Brief der betroffenen Mitarbeiterin an den Stiftungsrat vorliegt, schildert die Frau Vorfälle aus den Jahren 2021 und 2022 — zu Beginn von Weißmanns Amtszeit. Die Mitarbeiterin beschreibt darin Handlungen, die sie als „sexistische Belästigung, Ausnützung eines Autoritätsverhältnisses und Missbrauch struktureller Macht“ empfunden habe. Zu keinem Zeitpunkt seien diese Handlungen von ihr gewollt gewesen. Sie habe „jahrelang in Angst und Sorge“ gelebt, schreibt sie, und erst durch den Mut der französischen Missbrauchsüberlebenden Gisèle Pelicot den entscheidenden Anstoß bekommen, den Schritt zu wagen.

Laut Stiftungsratschef Heinz Lederer, wie ORF.at berichtet, liegen „Schrift-, Ton- und Bildmaterial“ vor, die ein Fehlverhalten nahelegen. Bei Belästigung gebe es „null Toleranz“. Die endgültige Klärung obliege nun der Compliance-Abteilung des ORF, die mit externer Unterstützung tätig ist.

Wie der Rücktritt zustande kam — und der Streit darum

Wie nachrichten.at auf Basis der Weißmann-Aussendung dokumentiert, wurde das Stiftungsratspräsidium am 4. März 2026 von einem Anwalt der betroffenen Mitarbeiterin kontaktiert. Dieser präsentierte Ton-, Bild- und Videomaterial und forderte Weißmanns Rücktritt, den Verzicht auf eine weitere Kandidatur, eine Geldspende an eine karitative Organisation sowie die Übernahme der Anwaltskosten — mit einer Frist bis 10. März, die später noch auf den 9. März vorgezogen wurde. Weißmann trat am 8. März zurück.

Ob dieser Rücktritt freiwillig war, ist seither Gegenstand eines heftigen Streits. Stiftungsrats-Anwalt Gerlach widerspricht laut oe24 der Darstellung, dass unzulässiger Druck ausgeübt worden sei: Man habe Weißmann lediglich verschiedene Handlungsoptionen aufgezeigt. Weißmanns Lager spricht hingegen von einem erzwungenen Abgang.

Westenthaler gegen Lederer — und bis zu drei Millionen Euro auf dem Spiel

Intern hat sich die Causa zu einem offenen Konflikt ausgeweitet. Wie oe24 berichtet, steht FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler dem Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer scharf gegenüber. Westenthaler hatte Lederer bereits unmittelbar nach dem Rücktritt einen „Alleingang“ vorgeworfen, da der Stiftungsrat nicht ausreichend eingebunden worden sei.

Lederer drängt nun auf rasche Aufklärung — auch aus handfesten rechtlichen Gründen: Wie oe24 berichtet, könnte Weißmann, sollte keine fristlose Entlassung ausgesprochen werden, Ansprüche von bis zu drei Millionen Euro gegenüber dem ORF geltend machen. Weißmann selbst hat angekündigt, strafrechtlich gegen mehrere beteiligte Personen vorzugehen. Die neue interimistische Generaldirektorin Ingrid Thurnher trägt die Entscheidung über seinen Dienstvertrag.


Quellen:

  • oe24.at: Weißmann über belastendes Material: „Wird schon stimmen“ (18.3.2026)
  • Die Presse (zitiert via oe24.at): Stellungnahme Anwalt Roland Gerlach
  • profil.at: Keine Liebesbeziehung. Kein Sex. — ORF-Mitarbeiterin schildert Belästigungsvorwürfe (18.3.2026)
  • profil.at: ORF-Chef Weißmann vor Rücktritt (9.3.2026)
  • nachrichten.at: Weißmann äußert sich zu Vorwürfen — die Aussendung im Wortlaut (13.3.2026)
  • nachrichten.at: ORF-Generaldirektor Roland Weißmann tritt zurück (9.3.2026)
  • ORF.at: Weißmann-Rücktritt: ORF-Stiftungsratschef verteidigt Vorgehen (9.3.2026)
  • heute.at: Geheimes Tonband existiert — ORF-Insider packt aus (9.3.2026)

Credits: APA

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