Opernball: Meinl-Reisinger hofiert Albanien und ignoriert ihren Problem-Botschafter

Opernball: Meinl-Reisinger hofiert Albanien und ignoriert ihren Problem-Botschafter

Am Donnerstag steigt in der Wiener Staatsoper der 68. Opernball. Als einzige Regierungspolitikerin hat sich Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) eine eigene Rangloge gegönnt – zum stolzen Preis von 26.000 Euro, wie oe24 berichtet. Dazu kommen Eintrittskarten à 410 Euro und Konsumationskosten. Ein Champagnerglas schlägt mit bis zu 39 Euro zu Buche.

Albanien im Fokus – in zweierlei Hinsicht

Meinl-Reisinger empfängt in ihrer Loge die albanische Außenministerin Elisa Spiropali sowie ihre philippinische Amtskollegin Maria Theresa Parreño Lazaro. „Beide Staaten sind wichtig in unserer Diplomatie“, lässt das Außenministerium gegenüber oe24 verlauten. Albanien gelte als EU-Beitrittskandidat, die Philippinen hätten den ASEAN-Vorsitz inne.

Doch während Meinl-Reisinger Albanien am Opernball hofiert, zeigt sie sich in einer anderen albanischen Causa auffallend verschwiegen: beim Fall des umstrittenen Botschafters Fate Velaij (auch Fatmir Velaj).

Der Skandal-Botschafter aus Wien

Der 1963 in Vlora geborene Velaij kam 1991 als Flüchtling nach Österreich, erhielt die österreichische Staatsbürgerschaft und erhielt später den Professorentitel verliehen. 2023 ernannte ihn Albaniens Premier Edi Rama zum Botschafter in Wien – ein Schritt, der von Anfang an für Kopfschütteln sorgte.

Das Problem: Velaij besaß zum Zeitpunkt seiner Akkreditierung beide Staatsbürgerschaften. Ein klarer Verstoß gegen Artikel 8 der Wiener Konvention über diplomatische Beziehungen, wie das Investigativportal Fass ohne Boden recherchierte. Erst nach Intervention des Außenministeriums legte er die österreichische Staatsbürgerschaft zurück – allerdings erst im März 2024, Monate nach seinem Amtsantritt.

Toyota-Yaris-Affäre und Geldwäsche-Vorwürfe

Doch damit nicht genug. Schwerwiegender sind Vorwürfe zur sogenannten Toyota-Yaris-Affäre: Im Juni 2018 entdeckte die Polizei 3,4 Millionen Euro in bar, versteckt in zwei Fahrzeugen auf dem Weg von Belgien über Deutschland nach Albanien. Die albanische Sonderstaatsanwaltschaft SPAK ermittelt, wie Albanian Daily News berichtete.

Velaijs Schwägerin Erjona Daupaj gilt als Schlüsselfigur in diesem Geldwäschenetzwerk. Laut Fass ohne Boden soll sie zeitweise in der albanischen Botschaft in Wien Unterschlupf gefunden haben – mit Wissen und Billigung des Botschafters. Die SPAK sucht sie international wegen Geldwäsche.

Sozialleistungen trotz Millionenvermögen?

Weitere Ungereimtheiten werfen Fragen auf: Velaij soll zeitweise österreichische Sozialleistungen bezogen haben – parallel zu seinem Abgeordnetengehalt im albanischen Parlament exxtra24.at berichtete. In seiner offiziellen Vermögenserklärung gab er ein Gesamtvermögen von 1,8 Millionen Euro an. Die Herkunft bleibt ungeklärt.

Zudem soll er trotz Verbot weiterhin gewerblich tätig sein: Seit September 2024 verkauft er bei Lesungen und Vernissagen quer durch Österreich Bücher und Gemälde, wie exxtra24 dokumentierte. Das Außenministerium hatte ihm dies ausdrücklich untersagt.

Parlamentarische Anfrage blieb folgenlos

Bereits im Mai 2024 stellte der damalige NEOS-Abgeordnete Helmut Brandstätter eine parlamentarische Anfrage zur Causa Velaij, wie der Exxpress berichtete. Die Antwort bestätigte die Doppelstaatsbürgerschaft und die verspätete Klärung. Konsequenzen? Keine.

Auch unter Meinl-Reisinger, die im März 2025 das Außenministerium übernahm, bleibt die Causa Velaij ohne Folgen. Während ihre albanische Amtskollegin Spiropali am Opernball die diplomatischen Beziehungen pflegt, schweigt die Ministerin zu ihrem problematischen Botschafter.

Kritik wächst – Forderung nach „persona non grata“

Die Opposition fordert längst Aufklärung. Auch Teile der albanischen Diaspora in Wien verlangen einen Wechsel. Ein Mitglied sagte gegenüber Exxtra24: „Wir fordern Ministerpräsident Edi Rama auf, einen neuen, unbelasteten Botschafter mit einwandfreiem Leumund nach Wien zu entsenden.“

Beobachter fragen sich: Warum hält Meinl-Reisinger an Velaij fest? Warum schweigt sie zu einem Fall, der mittlerweile albanische, österreichische und belgische Ermittlungsbehörden beschäftigt?

Opernball-Kosten im Vergleich

Zum Vergleich: 2024 gaben zwei Minister beim Opernball gemeinsam 65.000 Euro aus. Damaliger Arbeitsminister Martin Kocher zahlte 30.330 Euro, Außenminister Alexander Schallenberg 33.986 Euro – für Logen, Karten, Bewirtung und Hotelunterbringung, wie oe24 berichtete.

Die Kosten für Meinl-Reisinger stehen noch nicht fest. Neben den 26.000 Euro für die Rangloge und den Eintrittskarten kommen noch Konsumation und eventuelle Hotelkosten hinzu.

Während das Volk den Gürtel enger schnallt, genießt die Außenministerin den Ball der Bälle – und pflegt ausgerechnet Beziehungen zu jenem Land, dessen Botschafter seit Monaten für Skandale sorgt. Ein politisches Statement setzt sie damit allemal. Nur nicht das, das sie vermutlich beabsichtigt.

Credits: APA (Titelbild), BKA (Meinl-Reisinger & Velaj)

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