Außenministerin Beate Meinl-Reisinger mietete beim Wiener Opernball eine eigene Loge – und das sorgt für politischen Wirbel. Die FPÖ kündigt eine parlamentarische Anfrage mit 42 Fragen an und will wissen: Musste der Steuerzahler zahlen?
Eigene Loge statt Regierungsloge
Beim 68. Wiener Opernball nahm NEOS-Chefin und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger nicht in der offiziellen Regierungsloge Platz, sondern nutzte eine eigene Loge. Wie Heute berichtet, empfing sie dort ihre albanische Amtskollegin Elisa Spiropali und die philippinische Außenministerin Maria Theresa Parreño Lazaro.
Die Regierungsloge blieb dagegen spärlich besetzt. Bundeskanzler Christian Stocker war wegen eines EU-Termins verhindert, die meisten Minister sagten ab. Nur SPÖ-Vizekanzler Andreas Babler, Infrastrukturminister Peter Hanke und zwei Staatssekretäre erschienen.
26.000 Euro für eine Rangloge
Eine Rangloge beim Opernball kostet dieses Jahr 26.000 Euro, wie Exxpress berichtet. Kostenlos sind nur die beiden Ehrenlogen für den Bundespräsidenten und den Bundeskanzler. Alle anderen Logen müssen selbst finanziert werden – dazu kommen die Kosten für Eintrittskarten, Bewirtung und Sicherheit.
Ein Blick auf das Vorjahr zeigt die möglichen Dimensionen: 2024 gaben die damaligen Minister Martin Kocher und Alexander Schallenberg gemeinsam rund 65.000 Euro für den Ballabend aus.
42 Fragen von der FPÖ
FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz kündigte eine umfassende parlamentarische Anfrage an. Wie die FPÖ auf ihrer Website mitteilt, geht es um eine detaillierte Offenlegung sämtlicher Ausgaben im Zusammenhang mit dem Opernball-Besuch. Konkret will die Partei wissen: Wer bezahlte für Loge, Eintrittskarten, Styling, Sicherheit und Bewirtung?
„Die Menschen draußen wissen nicht mehr, wie sie durch den Tag kommen sollen, und Meinl-Reisinger spielt Ballkönigin auf Staatskosten“, zitiert Heute den FPÖ-Generalsekretär. Die Freiheitlichen wollen auch klären, ob Ressourcen des Außenministeriums für Kommunikation oder Organisation eingesetzt wurden.
Diplomatische Beziehungspflege als Argument
Das Außenministerium verteidigte die Entscheidung. „Der Opernball ist nicht nur ein kulturelles Aushängeschild Österreichs, sondern auch ein Ort gezielter diplomatischer Beziehungspflege“, heißt es laut Exxpress aus dem Ministerium. Man setze damit „ein politisches Statement“.
Die Philippinen übernehmen 2026 den ASEAN-Vorsitz, Albanien gilt als EU-Beitrittskandidat. Beide Staaten seien wichtig für Österreichs Diplomatie, so die Argumentation.
Vorwurf der Doppelmoral
Wie oe24 berichtet, ortet die FPÖ eine „massive Doppelmoral“ bei den einstigen „Transparenz-Turbos“ der NEOS. Schnedlitz will detailliert wissen, wer in der Loge Platz genommen hat und ob Vorgänger im Außenressort ebenfalls „derartige Extrawürste“ benötigten.
Die parlamentarische Anfrage wird kommende Woche im Nationalrat eingebracht. Ob und in welchem Umfang öffentliche Mittel geflossen sind, wird erst die Beantwortung zeigen.
Credits: APA
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