Omsk-Blamage: Putins eigene Kriegsblogger wenden sich gegen ihn

Omsk-Blamage: Putins eigene Kriegsblogger wenden sich gegen ihn

Ukrainische Drohnen haben Russlands größte Ölraffinerie getroffen – 2.700 Kilometer tief im Land. Jetzt machen auch Putins treueste Propagandisten öffentlich Druck.

Der Angriff und seine Symbolik

Wie der ukrainische Generalstab mitteilte, haben ukrainische Drohnen am Montag die Gazpromneft-Raffinerie in Omsk angegriffen und dort einen Brand ausgelöst. Die Anlage liegt rund 2.700 Kilometer von ukrainisch kontrolliertem Gebiet entfernt – nahe der Grenze zu Kasachstan. Insidern zufolge verarbeitete sie im vergangenen Jahr rund 23 Millionen Tonnen Rohöl, was etwa 460.000 Barrel pro Tag entspricht – sie ist damit die größte Russlands. Der Angriff zählt zu jenen mit der größten Reichweite seit Kriegsbeginn im Februar 2022.

„Scheißdrohnen quer durchs ganze Land“

Während die Ukraine den Treffer feiert, rumort es in der russischen Z-Blogger-Szene – jenen nationalistischen Telegram-Kanälen, die bisher als verlässliche Unterstützer der Kriegsführung galten. Der Blogger „Älter als Edda“ schrieb angesichts des Angriffs, es sei erneut gelungen, dass „Scheißdrohnen stundenlang quer durchs ganze Land fliegen und am Ende irgendwo einschlagen.“ Der Publizist Sergej Koljasnikow forderte Konsequenzen: „In der Sowjetunion hätte eine derartige Flugroute das Geräusch von zu Boden fallenden vergoldeten Schulterklappen und den Verlust hoher Dienstposten nach sich gezogen.“ Blogger Jegor Kolmogorow formulierte den Kern der Frustration so: „Russland kämpft nicht nur gegen die Ukraine, sondern auch gegen die eigene Inkompetenz. Das ist ein furchtbarer Gegner – und er ist uns derzeit deutlich überlegen.“

Direkte Kritik an Putin

Am brisantesten ist die Kritik des Bloggers „KZP“, der sich direkt an Putin abarbeitete. Dank des „raffinierten Plans“ und der „Genialität von W.W.P.“ – gemeint ist Wladimir Wladimirowitsch Putin – lebe Russland nun in einer Realität, in der auch Sibirien mit Drohnen angegriffen werde. Ironie, die im russischen Kontext Mut erfordert.

Warum die Blogger-Kritik für den Kreml gefährlich ist

Die Z-Blogger-Szene war für den Kreml lange ein wichtiges Werkzeug: Sie verbreiteten regierungsnahe Narrative, mobilisierten die nationalistische Basis und dienten gleichzeitig als kontrolliertes Ventil für Unmut aus dem Militär. Genau deshalb ist ihre offene Frustration ein anderes Signal als Kritik aus der liberalen Opposition. Wenn Kriegsbefürworter anfangen, von „Inkompetenz“ zu schreiben und Putins „genialen Plan“ zu verspotten, dringt die Erosion ins nationalistische Kernlager vor – jenen Teil der russischen Gesellschaft, der den Krieg trägt.

EINORDNUNG DER REDAKTION
Der Omsk-Treffer ist militärisch bedeutsam und propagandistisch für Moskau verheerend: Dass eine ukrainische Drohne Russlands größte Raffinerie in Sibirien erreicht, untergräbt das Narrativ vom gesicherten Hinterland. Dass Putins eigene Unterstützer das öffentlich kommentieren, zeigt, wie sehr der Kreml unter Druck gerät – nicht nur von außen, sondern von innen. Ob daraus eine echte politische Gefahr für Putin wird, ist eine andere Frage. Authoritative Systeme können viel Unmut absorbieren, bevor er gefährlich wird. Aber die Richtung des Trends ist klar: Die Kosten des Krieges werden sichtbarer – und das Schweigen darüber schwieriger.

Credits: Kremlin.ru, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=123219163

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