Ohne Ausweg: Warum der Ukraine-Krieg zum Dauerzustand werden könnte

Ohne Ausweg: Warum der Ukraine-Krieg zum Dauerzustand werden könnte

Über drei Jahre Krieg, gescheiterte Verhandlungen, eine brüchige Front — und keine Seite bereit zu echten Kompromissen. Die Frage, ob dieser Konflikt je endet, ist keine rhetorische mehr.

Die Verhandlungen als Ritual ohne Ergebnis

Genf, Pakistan, Paris — die Orte wechseln, das Ergebnis bleibt dasselbe. Wie das IPG Journal nach vier Jahren Krieg festhält, ist ein Waffenstillstand nicht in Sicht: Die Verhandlungen seien zu einem Ritual geworden, über Fortschritte werde zwar regelmäßig berichtet, doch vor Ort in der Ukraine habe niemand das Gefühl, dem Frieden auch nur einen Schritt nähergekommen zu sein.

Das strukturelle Problem ist bekannt: Russland fordert als Vorbedingung für einen Waffenstillstand den Rückzug der ukrainischen Armee aus Teilen der Ost- und Südukraine — etwas, das Kiew kategorisch ablehnt und verfassungsrechtlich auch gar nicht ohne weiteres umsetzen könnte. Die Ukraine hat sich Sicherheitsgarantien bei 50 westlichen Partnern eingeholt und setzt auf eine mögliche EU-Beitrittsperspektive — beides knüpft an eine Bedingung, die niemand erfüllen will: einen echten Friedensvertrag.

Die Front bewegt sich — aber kaum

Laut einer Militäranalyse der Bundeszentrale für politische Bildung konnte Russland auch 2025 keine operativ verwertbaren Durchbrüche erzielen — bei gleichzeitig konstant hohen Personalverlusten. Die ZDFheute-Analyse kommt zum selben Schluss: Tausende Drohnen sättigen das Schlachtfeld und machen jede größere Manöveroperation faktisch unmöglich.

Für die Ukraine ist die Lage spiegelbildlich schwierig. Wie Militärexperte Gustav Gressel im Tagesspiegel analysiert, fliehen viele Soldaten aus der Truppe, wenn der Kampf bevorsteht. Das Rekrutierungsproblem werde strukturell bleiben — auch weil die Ukraine eine alternde Gesellschaft ist, deren verfügbarer Personalpool schlicht begrenzt bleibt.

Vier Szenarien — keines davon wirklich gut

Wie web.de unter Berufung auf eine CSIS-Analyse berichtet, gilt der eingefrorene Konflikt als wahrscheinlichstes Szenario: Die Kampfhandlungen kommen entlang der aktuellen Frontlinie zum Erliegen, besetzte Gebiete bleiben unter russischer Kontrolle, werden aber weder von der Ukraine noch vom Westen anerkannt. Das Risiko dabei: Russland nutzt die Pause zum Wiederaufrüsten — und greift irgendwann neu an.

Ein echter, dauerhafter Frieden wäre laut derselben CSIS-Analyse nur denkbar, wenn Russland in eine tiefe wirtschaftliche Krise rutscht — mit einem Schuldenschock, massiven ukrainischen Schlägen und dem Bewusstsein im Militär, dass der Krieg verloren ist. Davon ist Moskau derzeit weit entfernt.

Was Selenskyj jetzt tut

Während die Diplomatie stagniert, setzt die Ukraine auf gezielte Nadelstiche. Selenskyj hat den Ausbau der ukrainischen Langstreckensysteme angekündigt — mit dem erklärten Ziel, Russlands Energieinfrastruktur systematisch zu treffen und die Kriegsfinanzierung zu schwächen. Gleichzeitig reformiert er die Armee: höhere Söldner, begrenzte Dienstzeiten, ein Ende der Zwangsrekrutierungen — zumindest auf dem Papier.

Ob das reicht, ist offen. Wie die bpb in ihrer Analyse festhält, ist ein Ende des Krieges 2026 möglich, aber unwahrscheinlich. Was hingegen sicher ist: Jedes weitere Jahr ohne Lösung macht eine solche schwerer — für beide Seiten, aber vor allem für die Ukraine.

Credits: APA

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