Österreichs Wehrpflicht: Ein Land im Verteidigungsfieber?

Österreichs Wehrpflicht: Ein Land im Verteidigungsfieber?

Die Zustimmung zur Wehrpflicht in Österreich erreicht neue Höhen – doch wie steht es um die Bereitschaft, das Land tatsächlich mit der Waffe zu verteidigen?

Wehrpflicht beliebter denn je

Die weltweite Sicherheitslage hat die Österreicher wachgerüttelt: Laut einer aktuellen Umfrage des Verteidigungsministeriums befürworten satte 73 Prozent der Bevölkerung die Wehrpflicht. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zur Volksbefragung 2013, bei der noch 60 Prozent dafür stimmten. Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) sieht darin eine klare Bestätigung des eingeschlagenen Weges: „Die Bevölkerung hat damals eine kluge Entscheidung getroffen“, so Tanner gegenüber oe24.at.

Doch nicht nur das: Eine knappe Mehrheit von 51 Prozent spricht sich sogar für eine Verlängerung des Wehrdienstes aus. Eine eigens eingesetzte Kommission soll bis Jahresende Vorschläge zur Weiterentwicklung von Wehr- und Zivildienst sowie der Miliz erarbeiten.

Kampfbereitschaft: Nur jeder Dritte würde zur Waffe greifen

Trotz der hohen Zustimmung zur Wehrpflicht zeigt sich ein anderes Bild, wenn es um die tatsächliche Verteidigungsbereitschaft geht. Laut der Umfrage ist nur etwas mehr als ein Drittel der Österreicher bereit, im Falle eines Angriffs zur Waffe zu greifen. Bei den wehrfähigen Männern liegt die Bereitschaft immerhin bei 43 Prozent. Ministerin Tanner sieht darin jedoch keinen Grund zur Sorge: „Es steht außer Frage, dass wir, was den Wehrwillen anbelangt, noch viel zu tun haben.“

Neutralität bleibt heilig

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Die Neutralität bleibt ein unverrückbarer Bestandteil der österreichischen Identität. 75 Prozent der Befragten stehen hinter der Neutralität, wobei 58 Prozent diese „völlig“ unterstützen. Allerdings gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, was Neutralität eigentlich bedeutet. Während 19 Prozent sie als rein militärische Nichteinmischung definieren, sehen 17 Prozent darin eine generelle Zurückhaltung in internationalen Konflikten.


Sorgen der Österreicher: Inflation, Zuwanderung und Kriege

Neben der gestiegenen Angst vor Kriegen beschäftigen die Österreicher vor allem die Themen Inflation und Zuwanderung. Auch die Verbreitung von Falschinformationen im Internet sowie die geopolitischen Spannungen zwischen dem Westen und Russland sorgen für Unruhe. Vor diesem Hintergrund befürworten 56 Prozent der Befragten eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben. Tanner sieht darin einen klaren Auftrag: „Die Bevölkerung will ein leistungsfähiges Bundesheer, das auf die Herausforderungen der Zeit vorbereitet ist.“

Fakten zur Umfrage

Die repräsentative Umfrage wurde zwischen dem 5. August und 3. Oktober 2025 durchgeführt. Insgesamt wurden 1.500 Personen befragt, wobei ein Methodenmix aus persönlichen Interviews (42 Prozent) und Online-Befragungen (59 Prozent) angewandt wurde. Die Schwankungsbreite liegt bei plus/minus 2,5 Prozent.


Quellen:

  • oe24.at: „So viele Österreicher würden das Land mit Waffe verteidigen“
  • Verteidigungsministerium Österreich

Credits: APA

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