Österreichs Schuldenberg wächst weiter: 525 Milliarden Euro bis 2031

Österreichs Schuldenberg wächst weiter: 525 Milliarden Euro bis 2031

Sparpaket hin, höhere Abgaben her – am Ende der Rechnung steht trotzdem ein Minus. Eine aktuelle Analyse des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO zeigt: Selbst mit den milliardenschweren Konsolidierungsmaßnahmen der Regierung wächst Österreichs Staatsschuld bis 2031 weiter an – auf rund 525 Milliarden Euro.

Von 418 auf 525 Milliarden Euro

Wie WIFO in seiner Analyse zum Doppelbudget 2027/28 und zum Finanzrahmen bis 2031 vorrechnet, lag die Staatsschuld 2025 bei 418,1 Milliarden Euro oder 81,5 Prozent der Wirtschaftsleistung, wie exxpress.at berichtet. Für 2031 sieht die Budgetplanung eine Schuldenquote von 85 Prozent vor. Bei einem vom WIFO angenommenen nominellen Bruttoinlandsprodukt von 617,5 Milliarden Euro ergibt das rechnerisch rund 525 Milliarden Euro Schulden – etwa 107 Milliarden Euro mehr als 2025.

Die 100-Prozent-Marke als Alternativszenario

Wie ernst die Lage tatsächlich ist, zeigt ein Blick auf das Szenario ohne die aktuellen Sparpakete: Ohne diese Maßnahmen würde Österreich bis 2031 fast eine Schuldenquote von 100 Prozent erreichen, konkret 99,1 Prozent des BIP, bei einem jährlichen Defizit von rund 5,4 Prozent. Die Milliardenmaßnahmen der Regierung verhindern dieses Szenario zwar – eine echte Trendwende bleibt aber aus. Auch 2031 macht der Staat noch immer neue Schulden von 2,9 Prozent des BIP. Das Defizit soll laut den Berechnungen 2028 zwar erstmals wieder knapp unter die Maastricht-Grenze von drei Prozent sinken, anschließend aber wieder steigen: 2,8 Prozent 2029, jeweils 2,9 Prozent 2030 und 2031.

Selbst ohne Zinsen bliebe ein Minus

Besonders aufschlussreich ist der sogenannte Primärsaldo – Einnahmen minus Ausgaben, noch vor dem Schuldendienst. Dieser bleibt selbst 2031 mit minus 0,4 Prozent des BIP negativ. Anders formuliert: Selbst wenn Österreich 2031 keinen einzigen Euro Zinsen zahlen müsste, wäre der Staatshaushalt noch immer nicht ausgeglichen.

Zinskosten steigen um mehr als 85 Prozent

Genau bei den Zinsen liegt aber ein zusätzliches Problem. Österreichs Staatsschulden stiegen bereits zwischen 2019 und 2025 von 281 auf 418,1 Milliarden Euro – ein Plus von fast 49 Prozent. Lange blieben die Folgen überschaubar, weil sich der Staat extrem günstig verschulden konnte. Diese Zeiten sind nun vorbei: Alte, niedrig verzinste Staatsanleihen laufen aus, neue Schulden müssen zu deutlich höheren Zinsen finanziert werden. Die Folge: Der jährliche Zinsendienst steigt laut WIFO von 8,3 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf 15,4 Milliarden Euro im Jahr 2031 – ein Plus von mehr als 85 Prozent. Gemessen an der Wirtschaftsleistung wächst die Zinsbelastung damit von 1,6 auf 2,5 Prozent des BIP. WIFO warnt in seiner Analyse ausdrücklich, dass diese steigende Zinslast den finanziellen Spielraum für Soziales, Bildung, Klimaschutz und Sicherheit einschränkt.

Sparpaket besteht zu 72 Prozent aus höheren Einnahmen

Auch beim Begriff „Sparpaket“ lohnt ein genauerer Blick: Knapp 72 Prozent der Budgetsanierung kommen tatsächlich über höhere Einnahmen zustande. Steuer- und Abgabenerhöhungen sollen 2027 rund 1,4 Milliarden Euro bringen, bis 2031 bereits 3,6 Milliarden Euro. Dem steht allerdings eine wichtige Entlastung gegenüber: Ab 2028 soll der Arbeitgeberbeitrag zum Familienlastenausgleichsfonds von 3,7 auf 2,7 Prozent sinken, wodurch die Lohnnebenkosten um rund zwei Milliarden Euro jährlich reduziert werden. Unter dem Strich bleiben von den fünf Milliarden Euro, die Spar- und Einnahmenmaßnahmen ab 2028 bringen sollen, netto nur 2,5 bis 2,6 Milliarden Euro pro Jahr für den tatsächlichen Defizitabbau übrig – der Rest fließt in neue Entlastungen und Ausgaben.

Pensionen als größter Kostentreiber

Einer der zentralen strukturellen Kostentreiber bleibt das Pensionssystem. Die Nettoausgaben des Bundes dafür steigen von 18,85 Milliarden Euro im Jahr 2018 auf 37,9 Milliarden Euro im Jahr 2028 – binnen zehn Jahren haben sie sich damit mehr als verdoppelt. Die Bruttoausgaben erreichen 2028 knapp 40 Milliarden Euro, womit bereits 30,8 Prozent aller Bundesausgaben in Pensionen und damit verbundene Pensionsersatzzeiten fließen. Bis 2031 sollen allein die beiden zentralen Pensionsbereiche des Bundes auf 42,6 Milliarden Euro steigen.

WIFO fordert weitere Strukturreformen

Für das WIFO ist damit klar: Mit den bisherigen Konsolidierungspaketen ist die Arbeit nicht erledigt. In seinen Schlussfolgerungen fordert das Institut grundlegende Reformen bei Gesundheit, Bildung und Verwaltung, eine Reform des Finanzausgleichs sowie weitere Schritte im Pensionssystem. Zusätzliche Unsicherheit bringt zudem die Konjunkturentwicklung: Die Budgetplanung basiert auf einer WIFO-Prognose vom März, die für 2027 noch 1,3 Prozent reales Wachstum unterstellte – inzwischen hat das Institut diese Erwartung bereits auf 1,1 Prozent gesenkt, während Arbeitslosen- und Inflationsprognose leicht nach oben korrigiert wurden. Auch sind einige eingeplante Konsolidierungsschritte laut WIFO noch nicht vollständig konkretisiert, darunter Teile des Ökologisierungsbeitrags, der Abbau klimaschädlicher Subventionen sowie Beiträge von Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungsträgern.

Zeit gekauft, nicht saniert

Die Sparpakete der Regierung verhindern damit vorerst, dass Österreichs Schuldenquote in Richtung 100 Prozent marschiert. Eine nachhaltige Budgetsanierung, die den Schuldenberg tatsächlich zum Sinken bringt, schaffen sie nach der WIFO-Analyse bislang aber nicht.

Credits: BKA, Christopher Dunker

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