Österreich schrumpft: Fertilitätsrate fällt auf historisches Tief

Österreich schrumpft: Fertilitätsrate fällt auf historisches Tief

Weniger Babys, mehr Todesfälle – und das bereits zum sechsten Mal in Folge. Die neue Geburtenbilanz der Statistik Austria zeichnet ein alarmierendes demografisches Bild.

75.718 Geburten – so wenige wie seit Jahrzehnten nicht

Die Zahlen sind eindeutig: 2025 kamen in Österreich lediglich 75.718 Kinder lebend zur Welt – um 2,0 Prozent weniger als im Vorjahr. Das geht aus der am 25. Februar 2026 veröffentlichten Geburtenbilanz der Statistik Austria hervor. Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau sank damit auf 1,29 – ein neuer historischer Tiefststand, der den bisherigen Rekord von 1,31 aus dem Jahr 2024 bereits wieder unterbietet.

Zum Vergleich: Demografen gehen davon aus, dass eine Gesamtfertilitätsrate von 2,1 Kindern pro Frau nötig wäre, um die Bevölkerung langfristig stabil zu halten. Österreich liegt weit darunter.

Fachstatistische Generaldirektorin Manuela Lenk von der Statistik Austria setzt die Zahl in einen ernüchternden Kontext: Niedriger war die Geburtenziffer zuletzt im Jahr 2001 – damals lebte in Österreich aber noch mehr als eine Million Menschen weniger.

Sechstes Minus in Folge: Mehr Tote als Babys

Gleichzeitig verstarben 2026 laut Statistik Austria 86.766 Menschen, das sind 1,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Dennoch ist die Bilanz klar negativ: Um 11.048 Personen überstiegen die Todesfälle die Geburten. Damit verzeichnet Österreich zum sechsten Mal in Folge ein sogenanntes Geburtendefizit — ein Trend, der sich seit 2020 ohne Unterbrechung fortsetzt.

Eine gute Nachricht gibt es immerhin: Die Lebenserwartung bei der Geburt stieg erneut und erreicht neue Höchstwerte — Männer können demnach mit 80,2 Jahren rechnen, Frauen mit 84,6 Jahren. Die Säuglingssterberate liegt bei 3,1 Promille.

Bundesländer: Wien wächst, Niederösterreich schrumpft

Das Bild ist regional sehr unterschiedlich. Laut Statistik Austria verzeichneten 2025 nur drei Bundesländer eine positive Geburtenbilanz: Wien mit einem Überschuss von 2.950 Personen, Vorarlberg mit plus 240 und Salzburg mit einem hauchdünnen Plus von 31. Letztere zwei Bundesländer verzeichneten auch als einzige mehr Geburten als im Vorjahr — Salzburg plus 1,8 Prozent, Kärnten plus 0,6 Prozent.

In den restlichen sechs Bundesländern starben mehr Menschen als Kinder geboren wurden. Besonders drastisch ist das Defizit in Niederösterreich mit minus 5.354, in der Steiermark mit minus 3.781 und in Kärnten mit minus 2.249. Die stärksten Geburtenrückgänge im Vergleich zum Vorjahr verzeichneten das Burgenland mit minus 5,4 Prozent und Vorarlberg mit minus 4,2 Prozent.

Ein Trend mit Folgen

Die demografische Schrumpfung bleibt kein statistisches Randphänomen. Sie hat direkte Auswirkungen auf das Pensionssystem, den Arbeitsmarkt und die Infrastrukturplanung. Dass die Fertilitätsrate in Österreich innerhalb von nur zwei Jahren von 1,32 auf 1,29 gesunken ist, verdeutlicht die Dynamik des Rückgangs.

Die Statistik Austria weist darauf hin, dass bei den vorläufigen Zahlen für 2025 noch mit Nachmeldungen zu rechnen ist — die endgültige Geburtenziffer dürfte rund 300 bis 400 höher ausfallen, bei den Sterbefällen sind noch etwa 1.000 Nachmeldungen zu erwarten. An der Grundaussage ändert das wenig.


Quellen: Statistik Austria, Geburtenbilanz 2025 (veröffentlicht 25.02.2026) · exxpress.at (25.02.2026) · vol.at (25.02.2026) · nachrichten.at · NÖN.at · BVZ.at · Statista/Statistik Austria (Fertilitätsrate Österreich)

Credits: APA

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