ÖGIG unter wachsendem Druck – Zahlungsverzug, Prüfverfahren, Widersprüche

ÖGIG unter wachsendem Druck – Zahlungsverzug, Prüfverfahren, Widersprüche

Was als milliardenschweres Zukunftsprojekt für den österreichischen Glasfaserausbau angekündigt wurde, steht aktuell unter zunehmender Beobachtung. Die Österreichische Glasfaser Infrastruktur-Gesellschaft (ÖGIG) sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert, wonach offene Forderungen mehrerer Bau- und Projektpartner seit Monaten nicht beglichen worden sein sollen. exxtra24.at führt dazu seit Wochen eine koordinierte journalistische Recherche und verfügt über Rechnungen, Zahlungsübersichten sowie umfangreichen E-Mail-Verkehr, der die Vorwürfe untermauern soll.

Offene Forderungen im siebenstelligen Bereich

Mehrere voneinander unabhängige Bau- und Planungsfirmen bestätigten gegenüber exxtra24.at, dass derzeit offene Forderungen im deutlich siebenstelligen Bereich bestehen – allein gegenüber drei ausführenden Unternehmen. Laut diesen Angaben handelt es sich um bereits erbrachte und projektseitig freigegebene Leistungen, deren Bezahlung dennoch ausständig sei.

Nach dem Recherchestand von exxtra24.at (20. Jänner 2026, 12:00 Uhr) haben mehrere Vertragspartner der ÖGIG bestätigt, dass weiterhin Zahlungen ausstehen, die trotz Freigabe durch die jeweiligen Projektleiter bislang nicht beglichen wurden. Darüber hinaus berichten mehrere Vertragspartner, dass es in laufenden Projekten vermehrt zu einem Austausch des ursprünglich zuständigen ÖGIG-Personals gekommen sei – unter anderem durch externe Berater, neue Projektleiter sowie externe örtliche Bauaufsichten (ÖBA).

ÖGIG weist Vorwürfe zurück

Die ÖGIG weist diese Darstellung entschieden zurück. In ihrer schriftlichen Stellungnahme erklärt das Unternehmen, Zahlungen würden „nach den vertraglich festgelegten formalen und inhaltlichen Prüfungen“ erfolgen. Bei Bedarf würden externe Sachverständige beigezogen, was bei großen und komplexen Infrastrukturprojekten branchenüblich sei. Erst nach erfolgreicher Prüfung könne eine Zahlungsfreigabe erfolgen.

Wörtlich hält die ÖGIG fest:

ÖGIG: „Wir halten ausdrücklich fest, dass die öGIG ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen ist und jederzeit in der Lage ist, berechtigte Forderungen von Vertragspartnern fristgerecht und vollumfänglich zu erfüllen.“

Dokumentierte Fristüberschreitungen

Demgegenüber stehen Unterlagen, die exxtra24.at vorliegen. Daraus geht hervor, dass bei mehreren Rechnungen Zahlungsziele von über 60 bis 70 Tagen überschritten wurden, obwohl vertraglich 30 Tage Zahlungsfrist vereinbart gewesen seien. Auch hier liegen Rechnungen und begleitender Schriftverkehr vor.

Ein weiterer Punkt, der von mehreren Unternehmen übereinstimmend genannt wird: Begründungen für Zahlungszurückhaltungen hätten sich mehrfach geändert, Prüfungen seien wiederholt neu aufgerollt worden – teils bei bereits zuvor freigegebenen Leistungen.

Ultimatum und rechtliche Schritte

Besonders brisant ist die Aussage eines betroffenen Gläubigers, der gegenüber exxtra24.at erklärt hat:

„Entweder erfolgt die Zahlung der offenen Rechnungen bis 20. Jänner 2026 – oder es folgt ein Konkursantrag wegen Zahlungsunfähigkeit gegen die ÖGIG, inklusive Kostenvorschuss.“

Ob es tatsächlich zu einem Insolvenzantrag kommen wird, ist offen. Fakt ist jedoch, dass zumindest ein Bauunternehmen laut Recherchen bereits eine juristische Rückabwicklung des Vertragsverhältnisses mit der ÖGIG prüfen lässt. Auch die mögliche rechtliche Inanspruchnahme weiterer Projektpartner wird demnach evaluiert.

Gesellschafter Allianz verweist an ÖGIG

Vor diesem Hintergrund kontaktierte exxtra24.at auch die Gesellschafter der ÖGIG. Allianz Global Investment verwies in ihrer Antwort ausschließlich auf die ÖGIG. Eine eigenständige inhaltliche Stellungnahme erfolgte nicht. Sämtliche Medienanfragen seien über die ÖGIG abzuwickeln.

Offene Fragen bleiben

Unabhängig von den unterschiedlichen Darstellungen bleiben zentrale Fragen unbeantwortet:

  • Warum bestehen nachweislich Überschreitungen vertraglicher Zahlungsfristen?
  • Weshalb werden bereits freigegebene Leistungen erneut geprüft?
  • Und wie passt die Aussage wirtschaftlicher Gesundheit mit den dokumentierten Zahlungsrückständen zusammen?

Bereits zuvor war in der Branche über mögliche strategische Optionen bis hin zu Übernahmeüberlegungen spekuliert worden – unter anderem unter Einbindung von Magenta Österreich. Offizielle Bestätigungen dazu gibt es nicht. Doch allein die Existenz solcher Gerüchte zeigt, wie angespannt die Lage wahrgenommen wird.

Redaktioneller Hinweis

exxtra24.at hält ausdrücklich fest, dass Rechnungen, Zahlungsübersichten sowie umfangreicher E-Mail-Verkehr von mehreren Projekten und Baufirmen vorliegen. Die Redaktion arbeitet diese Unterlagen weiterhin journalistisch und rechtlich auf. Stellungnahmen der ÖGIG wurden – und werden – korrekt und im Wortlaut berücksichtigt. exxtra24 hat den vorliegenden Artikel vor der Veröffentlichung einer rechtlichen Vorabprüfung unterzogen.

Credits: Canva (Fotomontage)

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