Die klassische Zigarette verliert unter Jugendlichen an Boden – doch Nikotinbeutel und E-Zigaretten legen rapide zu. Studien belegen einen besorgniserregenden Trend, der sich immer tiefer in den Schulalltag frisst.
Jeder sechste Schüler konsumiert Nikotinbeutel
Die Zahlen sind eindeutig. Wie die Salzburger Nachrichten unter Berufung auf aktuelle Erhebungsdaten berichteten, hat mittlerweile jeder sechste Schüler in Österreich Erfahrung mit Nikotinbeuteln. Die ESPAD-Erhebung 2024, eine internationale Schülerbefragung, zeigt laut dem Sozialministerium: 15 Prozent der österreichischen Schüler zwischen 14 und 17 Jahren haben Nikotinbeutel im vergangenen Monat konsumiert – bei Buben liegt der Wert mit 8,4 Prozent (täglicher Konsum) deutlich über jenem der Mädchen (3,6 Prozent). Besonders auffällig: Der tägliche Nikotinbeutel-Konsum ist damit bereits genauso hoch wie der tägliche Zigarettenkonsum.
Warum die Beutel so attraktiv sind
Das Tückische an Nikotinbeuteln – auch bekannt als „Pouches“ oder „Nicopods“ – ist ihre Unsichtbarkeit. Wie das Rauchfrei-Telefon in einer Analyse erläuterte, wird das kleine durchlässige Säckchen einfach unter der Oberlippe platziert. Es gibt keinen Rauch, keinen Geruch, kein Feuerzeug. Konsum im Unterricht ist damit nahezu unbemerkt möglich. Hinzu kommen günstige Preise, bunte Designs und viele Geschmacksrichtungen – Eigenschaften, die gezielt junge Konsumenten ansprechen.
Die Suchtgefahr ist dabei keineswegs geringer als bei der klassischen Zigarette. Laut österreichischem Parlament enthält Nikotin in seinen Verbindungen die Klassifizierung „Lebensgefahr bei Verschlucken, Hautkontakt oder Einatmen.“ Nikotinvergiftungen in Schulen wurden bereits gemeldet.
E-Zigaretten haben Zigaretten als Einstiegsdroge überholt
Parallel dazu zeigt die ESPAD-Erhebung 2024 laut Salzburger Nachrichten: Erstmals berichten österreichische Schüler davon, erste Nikotinerfahrungen häufiger mit E-Zigaretten als mit herkömmlichen Zigaretten gemacht zu haben. Der E-Zigaretten-Konsum im letzten Monat hat sich seit 2003 von sieben auf 29 Prozent vervierfacht. Klassische Zigaretten hingegen gingen im gleichen Zeitraum von 49 auf 23 Prozent zurück.
Die LEAD-Studie des Ludwig Boltzmann Instituts für Lungengesundheit, die laut Wiener Gesundheitsverbund mehr als 15.000 Menschen über zwölf Jahre begleitet, bestätigt den Trend: Der durchschnittliche Einstieg in den Nikotinkonsum findet bereits mit 15 Jahren statt – besonders kritisch, da sich Lunge und Gehirn zu diesem Zeitpunkt noch in der Entwicklung befinden.
Gesetzliche Reaktion – aber erst im Kommen
Die Politik reagiert, wenn auch mit Verzögerung. Wie das Rauchfrei-Telefon berichtete, sieht eine derzeit in Begutachtung befindliche Novelle des Tabak- und Nichtraucherschutzgesetzes vor, dass Nikotinbeutel künftig nur noch in Trafiken verkauft werden dürfen – inklusive Werbeverbot, Verkaufsverbot unter 18 und Verbot des Versandhandels. Bereits seit 2024 gilt ein ausdrückliches Konsumverbot für Nikotinbeutel in Schulen. Ob das in der Praxis wirkt, ist eine andere Frage – die Zahlen sprechen eine klare Sprache.
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