Zwei neutrale Staaten, eine gemeinsame Herausforderung: Österreich und die Schweiz wollen künftig Hand in Hand agieren, wenn es darum geht, an den massiven europäischen Verteidigungsinvestitionen zu partizipieren – ohne dabei die Neutralität zu opfern.
Ein neues Kooperationsformat entsteht
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) hat am Wochenende per Aussendung bekanntgegeben, dass Österreich und die Schweiz ein ständiges Kooperationsformat zum Thema Verteidigungsinvestitionen einrichten. Wie der ORF berichtet, soll der Austausch künftig zweimal jährlich stattfinden – mit dem klaren Ziel, bürokratische Hürden abzubauen und die heimische Industrie am wachsenden europäischen Rüstungsmarkt zu beteiligen.
Die Dimension ist beachtlich: Wie MeinBezirk.at unter Berufung auf das Wirtschaftsministerium festhält, belief sich der EU-weite Branchenumsatz im Verteidigungsbereich 2025 auf 381 Milliarden Euro – ein Plus von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit 2020 sind die Verteidigungsausgaben in der EU um insgesamt 62,9 Prozent gestiegen.
Neutralität bleibt – Bürokratie muss weg
Hattmannsdorfer betonte laut ORF die Grundlinie des Vorhabens klar: „Unsere Neutralität steht dabei außer Frage und wird nicht angetastet. Gleichzeitig darf sie aber nicht dazu führen, dass überbordende Bürokratie oder unklare Regeln verhindern, dass österreichische und schweizerische Unternehmen an diesen Investitionen teilhaben können.“
Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin – er ist zugleich Vorsteher des Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung – begrüßte die Initiative laut der offiziellen Aussendung des österreichischen Wirtschaftsministeriums ausdrücklich: Die Arbeitsgruppe diene dem Erfahrungsaustausch „zugunsten unserer Bevölkerung und Wirtschaft“.
Was konkret auf der Agenda steht
Die inhaltlichen Schwerpunkte, die Österreich in die Zusammenarbeit einbringt, sind laut presse-nachrichten.de vielfältig: industriepolitische Instrumente im Einklang mit der Neutralität, die Weiterentwicklung von Exportkontrollregimen, Finanzierungs- und Beihilfenfragen sowie die Stärkung sogenannter Dual-Use-Technologien – also Entwicklungen, die sowohl zivil als auch militärisch nutzbar sind. Dazu kommen Fragen zur Resilienz von Lieferketten, Energieversorgung und Rechtssicherheit für Unternehmen.
Angestrebt wird laut Wirtschaftsministerium auch eine engere Vernetzung der Sicherheits- und Verteidigungsindustrien beider Länder, ein Ausbau gemeinsamer Forschung und Entwicklung sowie eine Steigerung des bilateralen Handelsvolumens.
Österreichs Rüstungsindustrie – ein unterschätzter Faktor
Die wirtschaftliche Relevanz des Themas für Österreich zeigt sich in nüchternen Zahlen: Laut Wirtschaftsministerium sind rund 150 heimische High-Tech-Unternehmen in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie aktiv, mit rund 11.000 direkt Beschäftigten und weiteren 20.000 Arbeitsplätzen in Zulieferbetrieben. Der jährliche Branchenumsatz beträgt rund 3,3 Milliarden Euro, das Exportvolumen in Drittstaaten liegt zwischen zwei und fünf Milliarden Euro. Beim Pandur-Radpanzer etwa liegt der österreichische Wertschöpfungsanteil laut Ministeriumsangaben bei über 70 Prozent.
Quellen:
- exxpress.at: Österreich und Schweiz schmieden Pakt für Verteidigungs-Milliarden (29.3.2026)
- ORF.at: Investitionen in Verteidigung – Kooperation mit Schweiz (29.3.2026)
- MeinBezirk.at: Wirtschaftsminister will Aufrüstung und Neutralität vereinbaren (29.3.2026)
- presse-nachrichten.de: Hattmannsdorfer – „Auch neutrale Staaten müssen Europas Sicherheitswende für die eigene Industrie nutzen“ (28.3.2026)
- Bundeskanzleramt Österreich: Schweizer Bundespräsident Parmelin zu Besuch in Österreich (Jänner 2026)
- Schweizerisches Bundesamt für Wirtschaft (WBF): Präsidialjahr 2026 – Guy Parmelin
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