Neue Tourismus-Angebote mit Magie – Exorzisten sind besorgt

Neue Tourismus-Angebote mit Magie – Exorzisten sind besorgt

Die Internationale Vereinigung der Exorzisten (AIE) schlägt Alarm: Immer mehr Gemeinden und Veranstalter vermarkten magische und esoterische Inhalte als touristische Attraktionen – eine Entwicklung, die die katholische Exorzistenvereinigung als moralisch fragwürdig einstuft. Hinter vermeintlich alten Bräuchen stecke oft reine Erfindung.

Die AIE, ein innerhalb der katholischen Kirche anerkannter Zusammenschluss von Exorzisten, kritisiert insbesondere den zunehmenden Trend, rund um religiöse oder saisonale Feiertage sogenannte „magische Märkte“, Hexenfeste oder Wahrsagerevents zu veranstalten. Diese würden häufig durch Medien und soziale Netzwerke verbreitet und romantisiert, basierten jedoch selten auf belegbarer Tradition oder historischer Wahrheit.

Magie statt Geschichte: Beispiel Calcata

Besonders kritisch sehen die Exorzisten das Beispiel des italienischen Dorfes Calcata in der Region Latium. Der Ort, in den ab den 1970er Jahren alternative Künstler und Aussteiger zogen, ist heute als „Hexendorf“ bekannt. Tourismusbroschüren und Online-Plattformen werben mit Berichten über „esoterische Energien“, geheimnisvolle Kultplätze und übernatürliche Erscheinungen. Doch laut der AIE seien diese Geschichten frei erfunden. Das Dorf profitiere inzwischen wirtschaftlich von seinem mystischen Image – vor allem rund um Halloween.

„Spiritualität darf kein Marketingprodukt sein“

Die AIE stellt klar: Es gehe nicht um eine pauschale Ablehnung von Folklore oder Brauchtum, sondern um die bewusste Vermischung von Fantasie, Esoterik und religiösen Symbolen zu Marketingzwecken. Das könne Menschen, die ernsthaft nach spiritueller Orientierung suchen, in die Irre führen. „Selbst gut gemeinte Tourismuskonzepte dürfen nicht zulasten der geistigen Gesundheit und Wahrhaftigkeit gehen“, betont der Verband.

Der Trend werfe daher nicht nur kulturelle, sondern auch pastorale und moralische Fragen auf – insbesondere für Priester und Seelsorger, die mit wachsender Unsicherheit und spiritueller Verwirrung bei Gläubigen konfrontiert seien.

Zwischen Ritual und Glaube

Die Internationale Vereinigung der Exorzisten wurde 1994 gegründet und zählt heute laut eigenen Angaben rund 900 aktive Exorzisten weltweit, dazu 130 Hilfskräfte. 2014 wurde die Organisation offiziell vom Vatikan anerkannt. Gründer war der italienische Priester Gabriele Amorth, der 2016 starb. Amorth diente auch als Inspiration für den Kinofilm „Der Exorzist des Papstes“ (2023), in dem Hollywood den geistlichen Kampf gegen das Böse dramatisch inszenierte.

In der katholischen Lehre ist Exorzismus ein formelles Gebet, mit dem um göttlichen Schutz vor dämonischem Einfluss gebeten wird – und keine magische Handlung. Die AIE warnt davor, genau diese Unterscheidung durch kommerzialisierte Esoterik zu verwischen.

Fazit: Zwischen Tourismus und Tradition verschwimmen in vielen Regionen zunehmend die Grenzen. Was für manche ein harmloser Gruselkult ist, sehen andere als ernstzunehmendes Problem. Die Exorzisten der katholischen Kirche jedenfalls rufen zur Rückbesinnung auf historische Wahrhaftigkeit – und zur Vorsicht vor dem Spiel mit dem Übersinnlichen.

Credit: Screenshot

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