Der ORF greift hart durch. Ein neues Regelwerk zum Umgang mit sexueller Belästigung zeigt, wie streng der öffentlich-rechtliche Sender ab sofort den Arbeitsalltag kontrolliert.
Gefühl entscheidet über Fakt
Wie exxpress berichtet, fährt der ORF eine absolute Null-Toleranz-Politik. Das Besondere an den neuen Richtlinien: Es kommt nicht mehr auf die Absicht hinter einer Aussage an. Entscheidend ist einzig und allein, wie die betroffene Person das Verhalten wahrnimmt. Ein freundlich gemeintes Lob für ein neues Outfit kann schnell zum Problem werden, wenn das Gegenüber sich unwohl fühlt. Wer also im Büro ein Kompliment verteilt, bewegt sich ab sofort auf sehr dünnem Eis.
Ein klares Ja ist Pflicht
Die Zeiten, in denen Schweigen als stille Zustimmung gewertet wurde, sind am Küniglberg vorbei. Das neue Papier fordert eine völlige Umkehr der bisherigen Logik. Man braucht nun ein ausdrückliches Ja, damit Handlungen im beiderseitigen Einvernehmen gerechtfertigt sind. Sogar private Bildschirmschoner am Computer stehen unter Beobachtung und dürfen keine anzüglichen Motive mehr zeigen.
Chefs geraten stark unter Druck
Auch die Vorgesetzten nimmt der Sender streng in die Pflicht. Sie müssen nun verpflichtende Schulungen absolvieren. Wie das Bündnis Gemeinsam gegen Sexismus berichtet, hat der ORF zusammen mit ARD, ZDF und Deutscher Welle einen umfassenden Maßnahmenkatalog mit 16 Punkten verabschiedet. Wer als Chef von einem Vorfall erfährt und nicht sofort handelt, riskiert echte Konsequenzen. Der offizielle Leitfaden der Gleichbehandlungsanwaltschaft bestätigt, dass Arbeitgeber bei untätigem Zusehen sogar persönliche Schadenersatzansprüche fürchten müssen. Das Unternehmen etabliert damit einen harten Kontrollmechanismus, der den gesamten Arbeitsalltag umkrempelt. Wir werden sehen, ob diese strengen Regeln das Vertrauen unter den Kollegen stärken oder am Ende eher Misstrauen säen.
Quellen: exxpress, Gleichbehandlungsanwaltschaft, Gemeinsam gegen Sexismus
Credits: APA
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