Neue Lehrpläne ab Herbst 2027: AHS-Gewerkschaft wirft Wiederkehr Chaos vor

Neue Lehrpläne ab Herbst 2027: AHS-Gewerkschaft wirft Wiederkehr Chaos vor

In knapp einem Jahr sollen an den AHS-Oberstufen neue Lehrpläne gelten, samt dem neuen Fach “Demokratie und Medien”. Für AHS-Lehrergewerkschafter Georg Stockinger läuft die Vorbereitung “hochgradig unprofessionell”. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) habe “den Betrieb lahmgelegt”, die Umstellung sei “nicht mehr seriös umsetzbar”.

Abstimmen “auf Verdacht”

Das Kernproblem aus Sicht der Lehrer: Bis spätestens Februar müssen die Schulen entscheiden, ob sie “Demokratie und Medien” als eigenes Fach anbieten oder die Inhalte in bestehende Fächer wie Geschichte integrieren. “Wir haben aber immer noch keinen Lehrplan am Tisch”, kritisierte Stockinger im Gespräch mit der APA. Es gebe nur den Verordnungsentwurf vom August. An manchen Standorten hätten Lehrer, Schüler und Eltern im Schulgemeinschaftsausschuss deshalb schon “auf Verdacht” abgestimmt. “Aber seriös geht das schon deshalb nicht, weil ich dazu ja wissen müsste, was im Lehrplan der neuen Fächer drinsteht.”

Fortbildung ohne fertige Verordnung

Dasselbe Problem sieht der Gewerkschafter bei der Vorbereitung der Lehrkräfte. Die Fortbildungen an den Pädagogischen Hochschulen liefen seit Anfang Oktober, obwohl die Inhalte des Fachs noch nicht per Verordnung festgelegt seien. Auch bei der Zulassung der Schulbücher, die über die Schulbuchaktion gratis ausgegeben werden, fehle die Grundlage. Neben “Demokratie und Medien” wird auch der Informatikunterricht um eine Stunde und das Thema Künstliche Intelligenz erweitert. Die neuen Lehrpläne starten in den ersten Klassen der Oberstufe und werden in den Folgejahren schrittweise in den höheren Klassen eingeführt.

“Völlig anders unterrichten”

Die größere Herausforderung sieht Stockinger aber woanders. Die neuen Lehrpläne, die für alle Fächer über mehrere Jahre entwickelt wurden, seien viel detailreicher als die bisherigen Rahmenlehrpläne und setzten stärker auf die Anwendung von Wissen. Zusätzlich wurden 13 übergreifende Themen wie Gesundheitsförderung und Umweltbildung direkt in die einzelnen Fachlehrpläne geschrieben. Die Formulierungen seien “wirklich anspruchsvoll und nicht selbsterklärend”, Schulungen dazu gebe es erst im Sommersemester. “Beim Großteil der Schulen ist aber noch gar nicht angekommen, dass sie ab nächstem Jahr völlig anders unterrichten sollen. Das wurde völlig überdeckt von dieser Diskussion über Medien, Demokratie und KI.”

Streit um Schulcluster

Zusätzlich verärgert sind die Lehrervertreter über eine weitere Ankündigung des Ministeriums: Bei der Bildung von Schulclustern, in denen sich mehrere Schulen eine Leitung und bei Bedarf Personal und Infrastruktur teilen, soll das Vetorecht der Personalvertretung fallen. Für Stockinger ist das eine “massive organisatorische Umorientierung”, die tief ins Dienst- und Besoldungsrecht eingreife. “Es kann nicht sein, dass man uns lehrplanmäßig ohne Rücksicht auf Verluste in Zeitnot hineinmanövriert, weil man unbedingt den Lehrplan für Demokratie einbauen möchte, und dann dreht man in der Schule demokratische Mitbestimmungsrechte ab.”

Politische Note

Stockinger gehört der Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG) an, die der ÖVP nahesteht, Wiederkehr ist Minister der NEOS. Der Konflikt reiht sich damit auch in die Spannungen zwischen den beiden Koalitionspartnern ein, die zuletzt etwa beim Zivildienst offen zutage traten. Eine Stellungnahme des Bildungsministeriums zu den Vorwürfen enthält der Bericht nicht.

Credits: BKA/Valentin Brauneis

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