Die Österreicher galten lange als skeptisch gegenüber vorgezogenen Wahlen. Damit scheint es vorbei zu sein. In der aktuellen Lazarsfeld-Umfrage spricht sich erstmals eine Mehrheit für Neuwahlen aus. Die Unzufriedenheit mit der Dreierkoalition wächst weiter.
52 Prozent wollen wählen
Für die Erhebung wurden am 12. und 13. Oktober 1.000 Personen befragt. 52 Prozent wollen demnach eine Neuwahl, 36 Prozent sind dagegen, 12 Prozent unentschieden. Wie schnell sich die Stimmung dreht, zeigt ein Vergleich: In einer OGM-Umfrage für ServusTV, die Anfang Oktober erhoben wurde, sprachen sich noch rund vier von zehn Befragten für Neuwahlen aus.
Männer, Ältere, Niederösterreich
Am stärksten ist der Wunsch nach Neuwahlen laut oe24 bei Männern mit 56 Prozent und bei den Über-50-Jährigen, ebenfalls 56 Prozent. Bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 50 Prozent, bei Frauen 47 Prozent, wobei hier auffällig viele, nämlich 16 Prozent, unentschlossen sind. Zurückhaltender sind die Jungen: Von den 16- bis 29-Jährigen wollen 39 Prozent eine Neuwahl, 35 Prozent nicht. Regional führt Niederösterreich mit 59 Prozent, gefolgt von Salzburg und Tirol mit jeweils 54, Oberösterreich mit 52 und der Steiermark mit 50 Prozent. Nur in Wien halten sich Befürworter und Gegner mit je 45 Prozent die Waage.
58 Prozent unzufrieden
Hinter dem Stimmungsumschwung steht die wachsende Unzufriedenheit mit der Regierung. 58 Prozent bewerten die Arbeit von ÖVP, SPÖ und NEOS als schlecht, vier Prozentpunkte mehr als vor einer Woche. 43 Prozent nennen sie sogar “sehr schlecht”. Zufrieden sind nur noch 19 Prozent.
FPÖ so stark wie die ganze Koalition
Auch in der Sonntagsfrage bleibt das Bild eindeutig. Die FPÖ liegt zum zweiten Mal in Folge bei mindestens 40 Prozent. Die SPÖ kommt mit Andreas Babler auf 14 Prozent, mit Finanzminister Markus Marterbauer als Spitzenkandidat auf 16 Prozent. In diesem Szenario erreicht die ÖVP 17 Prozent, die NEOS 7. Zusammen kommen die drei Regierungsparteien damit auf 40 Prozent – und damit nicht mehr als die FPÖ allein.
Neuwahl bleibt Theorie
Ob die Stimmung politische Folgen hat, ist offen. Einen Misstrauensantrag der FPÖ gegen die gesamte Regierung hat der Nationalrat am Donnerstag laut oe24 abgelehnt. Für eine Neuwahl bräuchte es einen Beschluss des Nationalrats, den die Koalition mit ihren 109 der 183 Sitze verhindern kann. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) hat zuletzt betont, gewählt werde regulär 2029. Hinter vorgehaltener Hand gibt es laut Berichten in Teilen der ÖVP allerdings Überlegungen, bis Jahresende über einen vorzeitigen Wahltermin zu entscheiden.
Credits: BKA, Christopher Dunker
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