Israel drängt die Hisbollah weiter nach Norden – die Bevölkerung fürchtet eine dauerhafte Besatzung.
Befehl zur Ausdehnung des Sicherheitsstreifens
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat bei einer Lagebesprechung mit Kommandeuren des Nordkommandos angeordnet, den von ihm so bezeichneten „bestehenden Sicherheitsstreifen“ weiter auszudehnen. Wie die Salzburger Nachrichten berichten, solle damit die Bedrohung durch die Hisbollah und der Abschuss von Raketen aus diesem Gebiet unterbunden werden. „Wir sind entschlossen, die Lage im Norden grundlegend zu verändern“, sagte Netanyahu.
Zuvor war beim Vormarsch der israelischen Armee erneut ein israelischer Soldat getötet worden. Trotz schwerer Schläge gegen die Hisbollah verfüge die Miliz laut Netanyahu weiterhin über Restfähigkeiten, Raketen auf Israel abzufeuern.
Acht Kilometer ins Landesinnere – und weiter
Nach libanesischen Angaben sind israelische Bodentruppen bereits acht Kilometer tief in den Südlibanon vorgedrungen, wie der libanesische Verteidigungsminister Michel Menassa erklärte. Die israelischen Streitkräfte (IDF) haben nach Angaben von Fokus Jerusalem seit dem 16. März eine neue Sicherheitszone definiert, die schrittweise unter israelische Kontrolle gebracht werden soll – mit dem Litani-Fluss als strategischem Endziel.
Verteidigungsminister Israel Katz machte die Zielsetzung explizit: Wie die Jüdische Allgemeine berichtet, will Israel das Gebiet bis zum Litani kontrollieren und alle Brücken über den Fluss zerstört haben, um den Hisbollah-Nachschub zu unterbinden. Bewohnern des Südlibanon sei eine Rückkehr in ihre Häuser verwehrt, bis die Sicherheit Nordisraels gewährleistet sei.
Reaktion der Hisbollah und WHO-Alarm
Die Hisbollah feuert weiterhin Raketen auf Israel und israelische Stellungen im Libanon ab. Am Wochenende wurden laut den Salzburger Nachrichten auch drei Journalisten getötet, darunter ein bekannter Korrespondent des Hisbollah-Senders Al-Manar. Israel bezeichnete ihn als „Terroristen“. Die WHO meldete unterdessen, dass bei fünf israelischen Angriffen auf Gesundheitseinrichtungen im Südlibanon neun Sanitäter ums Leben kamen und sieben weitere verletzt wurden – WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte, die wiederholten Angriffe beeinträchtigten die Gesundheitsversorgung in der Region erheblich.
Angst vor dauerhafter Besatzung
Der Hintergrund der aktuellen Eskalation: Anfang März 2026 feuerte die vom Iran unterstützte Hisbollah als Reaktion auf die Tötung des iranischen Obersten Führers Ali Khamenei Raketen auf Israel. Damit wurde der Libanon in den laufenden Iran-Krieg hineingezogen. Seither führt Israel Luftangriffe und Bodeneinsätze im Nachbarland durch.
Wie 20 Minuten unter Berufung auf Nahost-Experten berichtet, gilt eine vollständige Zerschlagung der Hisbollah durch die Bodenoffensive als unrealistisch – die Miliz sei zu stark und zu tief verankert. Die eigentliche Sorge: Israel könnte im Windschatten des Irankriegs Fakten schaffen und eine dauerhafte Pufferzone – oder gar eine De-facto-Annexion – im Südlibanon anstreben. Freie Welt zitiert Finanzminister Bezalel Smotrich, der offen forderte, der Litani solle zur neuen israelischen Grenze werden. Israel hatte den Südlibanon 18 Jahre lang bis zum Jahr 2000 besetzt – eine Geschichte, die für viele Libanesen bedrohlich nachwirkt.
Quellen: Salzburger Nachrichten (sn.at), APA/AFP/Reuters/dpa, Jüdische Allgemeine (juedische-allgemeine.de), Fokus Jerusalem (fokus-jerusalem.tv), 20 Minuten (20min.ch), Freie Welt (freiewelt.net), ESUT (esut.de)
Credits: APA
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