Eine Premiere mit politischer Sprengkraft: Israels Premierminister Benjamin Netanyahu hat am Sonntag erstmals einen FPÖ-Vertreter offiziell empfangen. Harald Vilimsky spricht von einem „historischen Moment“ – die jüdische Gemeinde in Österreich schweigt.
45 Minuten, die Jahrzehnte beenden
Wie oe24.at berichtet, empfing der israelische Ministerpremier am Sonntag eine Delegation von Parlamentariern aus Ungarn, Österreich, Spanien und Frankreich. Mit dabei: Harald Vilimsky, FPÖ-Delegationsleiter im Europaparlament. Das Treffen dauerte rund 45 Minuten – und beendet eine jahrzehntelange Distanz.
„Erstmals in der Geschichte der Freiheitlichen Partei wurde mit Harald Vilimsky ein Repräsentant offiziell von der israelischen Regierung und auch persönlich vom Ministerpräsidenten empfangen“, teilte der Europaabgeordnete mit. Er habe an dem Treffen mit Vertretern aus Spanien und Frankreich aus der Gruppe der Patrioten im EU-Parlament teilgenommen.
Jahrzehntelange Distanz überwunden
Bisher wurden FPÖ-Politiker von Spitzenvertretern des Staates Israel konsequent gemieden – aus Solidarität mit der jüdischen Gemeinde in Österreich. Diese verweigert die Kooperation mit FPÖ-Spitzenvertretern unter Verweis auf zahlreiche antisemitische Vorfälle innerhalb der Partei.
Nun hat sich das Blatt gewendet. Wie Exxpress.at berichtet, wurde auch ein Treffen mit der israelischen Transportministerin Miri Regev arrangiert. Sie soll Vorsitzende der neu gegründeten „Patriots for Jerusalem/Israel“ werden – einer Schwesterstruktur zur europäischen Patrioten-Fraktion.
Radikaler Islam als gemeinsamer Nenner
Im Mittelpunkt des Gesprächs standen der radikale Islam und die expansive Strategie des Iran, wie Vilimsky berichtete. Netanyahu habe dabei mit einer „messerscharfen Analyse“ beeindruckt. Israel bezeichnete er als „Schutzwall vor expansiven islamistischen Tendenzen“.
Es reiche nicht, nur dem Antisemitismus entschieden entgegenzutreten, so Vilimsky, sondern man müsse dies aktiv gegenüber „den linken politischen Kräften in ganz Europa, die der radikalen Islamisierung Vorschub leisten“ tun.
Netanyahu stößt ins selbe Horn
Wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA berichtet, stieß Netanyahu in die gleiche Kerbe. Er sprach bei dem Treffen von einem „Angriff auf die westliche jüdisch-christliche Zivilisation“, ausgeführt vom radikalen Islam in Zusammenarbeit mit der radikalen Linken.
Obwohl diese beiden Kräfte eigentlich Gegner sein sollten, „eint sie eine Sache: Der Hass auf Israel und die Juden“, betonte der rechtsgerichtete Regierungschef. Seiner Ansicht nach hätten einige europäische Staaten „ihre Grenzen ohne jegliche Kontrolle geöffnet“.
Strategische Allianz im Aufbau
Wie Puls24.at berichtet, geht es Netanyahu offenbar um mehr als einen höflichen Austausch. Vilimsky schrieb auf X (ehemals Twitter), er habe mit Ministerin Regev und anderen Vertretern der „patriotischen Allianz“ in Jerusalem bereits „kommende politische Aktionen“ geplant. „Da kommt noch einiges!“, kündigte er an.
FPÖ-Generalsekretär Maximilian Krauss kommentierte den Besuch mit den Worten: „Das endgültige Ende der Ausgrenzung.“ Parteichef Herbert Kickl lobte auf Facebook: „Toll, was unser Harald Vilimsky hier auf die Beine stellt.“
Wirtschaftliche Dimension
Wie ad-hoc-news.de berichtet, könnte das Treffen auch wirtschaftliche Folgen haben. Die österreichischen Warenexporte nach Israel beliefen sich 2024 auf 594 Millionen Euro. In den ersten fünf Monaten 2024 stiegen die Importe aus Israel um 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Nach den politischen Gesprächen werden nun Arbeitsgruppen auf Expertenebene erwartet. Im Fokus dürften gemeinsame Forschungsprojekte in Hochtechnologie und Sicherheit stehen.
Kritische Stimmen
Nicht alle sehen das Treffen positiv. Wie Nachrichten.at berichtet, wertet die Kritik das Zusammentreffen als „Vereinigung der Rechtsaußen-Kräfte“. Netanyahus Likud-Partei und die FPÖ hätten ein gemeinsames Interesse an der Diskreditierung jener, die sich „nicht abschotten wollen und den demokratischen Rechtsstaat hochhalten“.
Die jüdische Gemeinde in Österreich hat sich bisher nicht zu dem Treffen geäußert. Ihre jahrzehntelange Haltung – keine Kooperation mit der FPÖ wegen antisemitischer Vorfälle in der Partei – steht nun im Widerspruch zur neuen Linie aus Jerusalem.
Was bedeutet das für Österreich?
Der ORF berichtet, dass Netanyahu die europäischen Rechtsaußen-Politiker als Verbündete gegen seine politischen Gegner instrumentalisiert. Die gemeinsame Erzählung: radikaler Islam und radikale Linke als Bedrohung der „westlichen jüdisch-christlichen Zivilisation“.
Für die FPÖ ist das Treffen ein außenpolitischer Coup. Jahrzehntelang wurde der Partei vorgeworfen, antisemitische Tendenzen nicht energisch genug zu bekämpfen. Nun erhält sie Legitimation ausgerechnet vom israelischen Premier.
Die kommenden Wochen werden zeigen
Ob aus dem „historischen Treffen“ tatsächlich eine dauerhafte Allianz wird, bleibt abzuwarten. Die FPÖ hat angekündigt, die Ergebnisse im Europäischen Parlament einzubringen. Netanyahu wiederum sucht in Europa Verbündete gegen die wachsende Kritik an seiner Gaza-Politik.
Eine Allianz der Patrioten, vereint gegen radikalen Islam und „unkontrollierte Migration“ – das ist die Vision, die in Jerusalem skizziert wurde. Die Reaktion der jüdischen Gemeinde in Österreich steht noch aus.
Quellen:
- oe24.at
- ANSA (italienische Nachrichtenagentur)
- ORF.at
- Puls24.at
- Exxpress.at
- Nachrichten.at
Credits: APA
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