Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat mit einer überraschenden Enthüllung für internationales Aufsehen gesorgt: Der Iran habe versucht, einen seiner beiden Söhne zu töten. Die Aussage fiel in einem improvisierten Telefoninterview – nur zwei Monate vor einer für Netanjahu politisch entscheidenden Wahl.
Die Aussage im Wortlaut
„Etwas Unglaubliches ist geschehen: Der Iran hat einen meiner Söhne ins Visier genommen“, sagte Netanjahu am Montag in einem spontanen Telefongespräch mit dem israelischen Sender Channel 14, das live auf Sendung ging. „Der Iran hat versucht, einen meiner Söhne zu töten. Er hat versucht, ihn zu ermorden“, wiederholte der Regierungschef laut der „Times of Israel“. Details zu Zeitpunkt, Ort oder Umständen des angeblichen Anschlagsversuchs nannte er nicht – auch nicht, welcher seiner beiden Söhne, Jair oder Awner, das Ziel gewesen sein soll.
Monatelang von der Militärzensur zurückgehalten
Wie mehrere israelische Medien übereinstimmend berichten, war der Vorfall den Sicherheitsbehörden bereits seit Monaten bekannt, durfte aber aufgrund einer Anordnung der Militärzensur bislang nicht veröffentlicht werden. Auf die direkte Nachfrage des Channel-14-Militärkorrespondenten Noam Amir, ob diese Information aus einem ihm vorliegenden Geheimdienstbericht stamme, ging Netanjahu nicht näher ein und wiederholte lediglich seine ursprüngliche Aussage.
Verknüpfung mit dem Sicherheitsschutz seiner Familie
Der Kontext der Enthüllung liefert eine mögliche Erklärung für den Zeitpunkt: Netanjahu verteidigte mit seiner Aussage offenbar eine kürzlich getroffene, ungewöhnliche Vereinbarung, wonach seine Söhne und seine Ehefrau Sara auch dann noch mindestens fünf Jahre lang Personenschutz erhalten sollen, falls er die bevorstehende Wahl verliert. „Deshalb ist dieser Schutz kein Luxus – ohne ihn hätten sie Erfolg gehabt“, so Netanjahu laut der „Times of Israel“ mit Blick auf die mutmaßlichen Attentäter. Ein Bericht von Channel 12 ergänzt, der mutmaßliche Anschlagsversuch habe zu einem Zeitpunkt stattgefunden, an dem sich Sohn Jair nicht in Israel aufgehalten habe – wer konkret das Ziel war, blieb aber auch dort offen. Jair Netanjahu, der bekanntere der beiden Söhne, lebt einen Großteil des Jahres in Miami und ist für hartgesottene, rechte Kommentare bekannt. Awner Netanjahu lebt in Israel.
Politischer Zeitpunkt: Zwei Monate vor der Wahl
Die Aussage fällt in eine für Netanjahu heikle politische Phase. Seine Koalition liegt in Umfragen vor der für 27. Oktober angesetzten israelischen Parlamentswahl zurück, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Ausgelöst wurde das Interview offenbar auch durch Berichte, wonach der israelische Inlandsgeheimdienst Shin Bet zuvor Personenschutz für einen politischen Rivalen verweigert habe – konkret für Gadi Eisenkot, dessen Partei laut Prognosen aktuell die meisten Sitze bei der Wahl gewinnen könnte. Netanjahu erklärte zudem, er habe Shin-Bet-Chef David Zini kontaktiert, um sicherzustellen, dass jeder Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten angemessenen Schutz erhalte.
Warnung vor Spaltung des rechten Lagers
Im selben Gespräch äußerte sich Netanjahu laut dem britischen Portal „The Jewish Chronicle“ auch zur wachsenden Zahl kleiner Parteien, die um rechte Wählerstimmen konkurrieren. Eine solche Zersplitterung könnte den gesamten Wahlkampf entscheiden: „Das könnte das rechte Lager ganz einfach zu Fall bringen“, warnte er.
Kontext eines eskalierenden Konflikts
Die Vorwürfe gegen den Iran erfolgen laut Al Jazeera, nachdem die USA und Israel gemeinsam den obersten iranischen Führer Ali Khamenei sowie vier Mitglieder seiner Familie – darunter seine Tochter Boschra und seine 14 Monate alte Enkelin Sahra – bei einem Angriff in Teheran getötet hatten. Der seit Februar andauernde Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran hat die Spannungen zwischen den Ländern zusätzlich verschärft, wie Reuters einordnet.
Bislang keine unabhängige Bestätigung
Wichtig zur Einordnung bleibt: Die Anschuldigung stammt bislang ausschließlich von Netanjahu selbst, geäußert im pro-Regierungssender Channel 14. Eine unabhängige Bestätigung oder nähere Details – etwa von israelischen Sicherheitsbehörden selbst – liegen derzeit nicht vor. Der Iran hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht öffentlich geäußert.
Credits: Avi Ohayon / Government Press
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