Israels Ministerpräsident zieht nach über sechs Wochen Krieg eine triumphale Bilanz. Doch die Aussagen stammen aus einer einseitigen Fernsehansprache — und Experten mahnen zur Vorsicht.
Die Ansprache: Historischer Sieg, zerstörte Programme
In einer Fernsehansprache am Samstagabend erklärte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, die gemeinsamen Angriffe Israels und der USA hätten das Atom- und Raketenprogramm des Irans nachhaltig zerstört. Wie ORF und Tagesspiegel berichten, sagte er wörtlich: „Es ist uns gelungen, Irans Atomprogramm und sein Raketenprogramm zu zerschlagen.“ Der Iran verfüge inzwischen über „keine funktionierende Urananreicherungsanlage“ mehr. Auch die Raketenfabriken seien zerstört — Restbestände schrumpften. „Sie haben noch Raketen, sie haben noch Lager, aber das schrumpft.“
Wie Euronews berichtet, hatte Netanjahu bereits Anfang April ähnlich formuliert: „Wir haben nicht nur vorhandene Raketen zerstört, sondern auch die Fabriken, in denen sie hergestellt werden.“ Zudem kündigte er an, die über 400 Kilogramm hoch angereicherten Urans, die noch im Iran verblieben, würden vollständig aus dem Land entfernt — „im Rahmen einer Einigung oder einer Wiederaufnahme des Kriegs“.
Iran geschwächt, Libanon-Bedingungen gestellt
In seiner Ansprache zeichnete Netanjahu das Bild eines fundamental veränderten Nahen Ostens. Wie der Tagesspiegel zitiert, sagte er: „Sie drohten uns mit der Vernichtung — und jetzt kämpfen sie selbst um ihr Überleben.“ Kurz vor Beginn der Waffenruhe habe die israelische Armee der Teheraner Regierung den „schwersten Schlag seit Kriegsbeginn“ versetzt und Hunderte Regierungsmitglieder getötet — eine Angabe, für die es laut Medienberichten bislang keine unabhängige Bestätigung aus dem Iran gibt.
Auch zum Libanon machte Netanjahu klare Ansagen: Wie die Jüdische Allgemeine berichtet, habe der Libanon im vergangenen Monat mehrfach direkte Friedensgespräche vorgeschlagen. Israel habe zugestimmt — unter zwei Bedingungen: Entwaffnung der Hisbollah und ein dauerhaftes Friedensabkommen.
Was unabhängige Quellen sagen
Journalistische Sorgfalt gebietet einen Vorbehalt: Netanjahus Aussagen sind einseitige Regierungserklärungen. Das tatsächliche Ausmaß der Zerstörung des iranischen Atomprogramms ist laut Jüdischer Allgemeiner und anderen Medien von Experten derzeit noch nicht verifizierbar. Die IAEA hat sich zu einer abschließenden Beurteilung noch nicht geäußert. Der Iran seinerseits bestreitet die vollständige Zerstörung und besteht laut seiner Staatsmedien auf dem Fortbestand eines Rechts auf ein eigenes Atomprogramm — ein zentraler Streitpunkt auch in den gescheiterten Friedensgesprächen in Islamabad.
Credits: APA
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