NEOS behaupten: 54% wollen höheres Pensionsalter. Nur: Die Quelle dazu gibt es nicht

NEOS behaupten: 54% wollen höheres Pensionsalter. Nur: Die Quelle dazu gibt es nicht

Die NEOS behaupten auf Facebook, eine Mehrheit der Österreicher befürworte ein höheres Pensionsantrittsalter — und berufen sich dabei auf eine Eurobarometer-Umfrage aus Herbst 2025. Beim genauen Hinschauen tauchen Fragen auf.

Die Behauptung

Auf der offiziellen NEOS-Facebook-Seite postete das Team der Partei als Kommentar unter einem Bericht über die Pensionsalter-Forderung von Parteichefin Beate Meinl-Reisinger:

„Es gab eine Eurobarometer-Umfrage aus dem Herbst 2025, die ergeben hat, dass sich 54% der Bevölkerung ein höheres Pensionsantrittsalter vorstellen können.“

Anlass war die Gegenfrage zahlreicher Nutzer, welche Mehrheit das sein solle, von der die NEOS sprechen. Die Partei selbst hatte zuvor geschrieben: „Auch eine Mehrheit der Bevölkerung ist dafür.“

Das klingt nach einer klaren Datenlage. Nur: Die Umfrage lässt sich nicht verifizieren.

Die Suche — und was sie ergibt

Die Eurobarometer-Datenbank der Europäischen Kommission ist öffentlich zugänglich. Der Standard-Eurobarometer 104 aus Herbst 2025 — die einschlägige Ausgabe für diesen Zeitraum — enthält keine österreichspezifische Frage zu einem höheren Pensionsantrittsalter, die öffentlich einsehbar wäre. Auch eine EIOPA-Eurobarometer-Erhebung aus Mai 2025 zu Pensionsthemen enthält diesen Wert nicht.

Das bedeutet nicht zwingend, dass die Umfrage nicht existiert — es könnte sich um einen Spezial-Eurobarometer handeln, der nicht vollständig veröffentlicht wurde. Es bedeutet aber: Der Wert ist von außen nicht nachvollziehbar, nicht überprüfbar und nicht kontextualisierbar. Welche Frage wurde gestellt? An wen? Was genau wurde unter „vorstellen können“ verstanden?

Warum die Fragestellung entscheidend ist

Umfragen zu sensiblen sozialpolitischen Themen hängen massiv von der Formulierung ab. „Können Sie sich ein höheres Pensionsantrittsalter vorstellen?“ ist eine andere Frage als „Befürworten Sie eine gesetzliche Anhebung des Pensionsantrittsalters?“ — und produziert strukturell höhere Zustimmungswerte. „Vorstellen können“ schließt auch jene ein, die die Idee theoretisch akzeptieren, aber politisch ablehnen würden.

Was andere Umfragen zeigen

Hier zeichnen bekannte Erhebungen ein deutlich skeptischeres Bild. Laut einer Market-Umfrage für die APA aus dem Jänner 2026 sprachen sich nur 27 Prozent der Befragten für eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters aus — 70 Prozent waren dagegen. Das ist kein marginaler Unterschied zu 54 Prozent. Das sind entgegengesetzte Ergebnisse.

Wie news.at unter Berufung auf Sozialministeriums-Daten festhält, stieg das faktische Pensionsantrittsalter in Österreich in den letzten 15 Jahren ohnehin bereits um rund dreieinhalb Jahre an — Männer gehen 2025 durchschnittlich mit 62,5 Jahren in Pension, Frauen mit 60,9.

Was bleibt

Die NEOS könnten recht haben, dass eine Mehrheit der Österreicher prinzipiell einem längeren Arbeiten nicht grundsätzlich abgeneigt ist. Aber eine nicht nachvollziehbare Umfrage als Beleg für einen Mehrheitswillen zu präsentieren — noch dazu in einem Facebook-Kommentar ohne Quellenangabe — ist politische Kommunikation, keine belastbare Datenbasis. Wer mit Prozentzahlen argumentiert, sollte die Primärquelle offenlegen. Die NEOS haben das bisher nicht getan.

Credits: APA

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