AMS-Chef Johannes Kopf lässt die Maske fallen: Die Bundesländer seien schlicht froh, dass anerkannte Flüchtlinge nach Wien abwandern — und täten bewusst nichts dagegen. Seine Analyse ist unbequem. Und schwer zu widerlegen.
Das Zitat, das sitzt
In einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Selektiv sagte AMS-Chef Johannes Kopf, was in dieser Offenheit selten aus einem Regierungsumfeld zu hören ist:
„Acht Bundesländer sind froh, dass alle Geflüchteten nach Wien fahren.“
Der Satz fasst eine strukturelle Realität zusammen, über die österreichische Politik seit Jahren redet — ohne sie zu lösen.
Das Muster ist bekannt: Nach der Asyl-Anerkennung verlassen viele Flüchtlinge die Bundesländer, in denen sie während des Verfahrens untergebracht waren, und ziehen nach Wien. Der Grund ist einfach: Wien zahlt im Bundesvergleich höhere Sozialleistungen, die Anonymität ist größer, die Community-Strukturen dichter. Wie exxpress berichtet, ist in Wien mittlerweile jede vierte arbeitslose Person ein Flüchtling.
Das Arbeitsmarkt-Paradox
Was Kopf dabei besonders hervorhebt, ist das arbeitsmarktpolitische Paradox: Anerkannte Flüchtlinge ziehen genau dorthin, wo die Jobchancen am schlechtesten sind. Wien hat die mit Abstand höchste Arbeitslosenquote aller Bundesländer. Wer in Tirol, Vorarlberg oder Salzburg bliebe, hätte strukturell bessere Chancen auf einen raschen Jobeinstieg — in Regionen mit niedrigerer Arbeitslosigkeit, höherem Fachkräftebedarf und geringerer Konkurrenz.
Stattdessen konzentrieren sich die Zuwanderungsströme in der Hauptstadt — zum Nachteil der Betroffenen und zum Nachteil Wiens.
Kopfs Lösungsvorschlag — und warum er nicht kommt
Kopf plädiert seit Jahren für eine sogenannte Sozialhilfe-Auflage: Nur jenes Bundesland, in dem der Flüchtling während des Asylverfahrens gewohnt hat, soll für die Mindestsicherung zuständig bleiben — auch nach einem Umzug. Wer von Tirol nach Wien zieht, verliert das Sozialgeld. Zu regeln wäre das über eine 15a-Vereinbarung der Länder, wie profil bereits 2024 berichtete.
Das Problem: Genau jene acht Bundesländer, die laut Kopf froh über den Wiener Sog sind, haben kein Interesse daran, diesen Sog zu beenden. Solange Wien die Last trägt, müssen sie es nicht tun. Das ist keine Verschwörung — das ist strukturelle Eigeninteressenpolitik. Und sie funktioniert.
Wien am Limit
Die Folgen für die Hauptstadt sind spürbar. Schulen arbeiten mit Containerklassen, Wohnungen fehlen, Deutschförderklassen sind voll — und laut der aktuellen Lazarsfeld-Umfrage für oe24 droht die FPÖ, bei einer Nationalratswahl erstmals vor der SPÖ zu liegen. Auch das ist kein Zufall: Integrationspolitisches Versagen hat in Wien unmittelbare Wahlwirkung.
Bürgermeister Michael Ludwig und Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr haben das erkannt und fordern seit Längerem eine bundesweite Wohnsitzauflage. Die Bundesregierung hat das Thema im Koalitionsvertrag verankert — konkrete Umsetzungsschritte stehen noch aus.
Credits: APA
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