Ein europäischer Geheimdienstbericht zeichnet das Bild eines Kreml-Chefs, der sich zunehmend verschanzt — und einer russischen Führung, die dem eigenen Umfeld immer weniger traut.
Köche, Leibwächter, Fotografen: Niemand darf mehr U-Bahn fahren
Wie die Kronen Zeitung unter Berufung auf einen Bericht eines europäischen Geheimdienstes berichtet, wurden die Sicherheitsmaßnahmen rund um Wladimir Putin nach einer Angriffswelle auf hochrangige Militärangehörige massiv ausgeweitet. Betroffen sind nicht nur Leibwächter, sondern auch Köche und persönliche Fotografen des Präsidenten: Sie dürfen keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr nutzen. Neue Überwachungssysteme wurden in den Wohnungen enger Mitarbeiter installiert, Handys mit Internetzugang sind für diesen Personenkreis tabu. Besucher Putins müssen zwei separate Sicherheitskontrollen mit vollständiger Leibesvisitation durchlaufen.
Auch Putin selbst schränkt seinen Alltag ein: Er und seine Familienangehörigen meiden laut dem Bericht ihre üblichen Residenzen in Moskau sowie das Sommeranwesen in Waldai. Die Anlage in Waldai wurde seit dem Überfall auf die Ukraine 2022 mit mehreren Luftabwehr- und Boden-Luft-Raketensystemen aufgerüstet.
Bunker statt Kreml — und Archivaufnahmen als Ablenkung
Besonders aufschlussreich ist, was der Geheimdienstbericht über Putins tatsächlichen Aufenthaltsort aussagt. Seit Kriegsbeginn soll er sich teilweise wochenlang in modernen Bunkern aufhalten — häufig in einer Anlage in Krasnodar an der Schwarzmeerküste, einige Stunden von Moskau entfernt. In diesem Jahr habe Putin noch keine einzige Militäreinrichtung persönlich besucht. Um diese Abwesenheit zu verschleiern, veröffentliche der Kreml stattdessen Archivaufnahmen, wie CNN berichtet.
Schoigu als Putschrisiko eingestuft
Der Geheimdienstbericht stuft das Risiko eines Komplotts oder Putschversuchs als hoch ein — und schließt laut Krone auch ein mögliches Attentat durch Mitglieder der russischen politischen Elite nicht aus. Namentlich wird Ex-Verteidigungsminister Sergei Schoigu erwähnt, der langjährige Putin-Vertraute und frühere Machtmensch im russischen Militärapparat. Er „wird mit dem Risiko eines Staatsstreichs in Verbindung gebracht, da er innerhalb des militärischen Oberkommandos weiterhin erheblichen Einfluss ausübt“, heißt es in dem Bericht.
Die Stimmung kippt — auch in den Eliten
Der Hintergrund ist ein russisches Regime, das unter wachsendem Druck steht. Laut dem Bericht verliert Russland monatlich rund 30.000 Soldaten, ohne nennenswerte militärische Erfolge zu erzielen. Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges — Mobilfunkausfälle, steigende Kosten, Inflation — treffen mittlerweile auch die städtischen Eliten, die bisher weitgehend verschont geblieben waren. Ein ukrainischer Drohnenangriff traf zuletzt ein Luxushochhaus in unmittelbarer Kreml-Nähe — ein Signal, das in Moskau niemand übersehen haben dürfte.
Credits: APA
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