Zwei Monate nach dem Telefonat-Eklat um Bildungsminister Christoph Wiederkehr und die Bundesschulsprecherin liegt nun die offizielle Antwort des Ministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen vor – und die fällt erwartungsgemäß defensiv aus.
Was damals passiert ist
Auslöser des Vorfalls war ein Telefonat am 13. März 2026 zwischen dem Kabinettschef von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) und der damals 19-jährigen Bundesschulsprecherin Hannah Scheidl, wie heute.at damals berichtete. Scheidl schilderte, der Kabinettschef sei in dem Gespräch lautstark und emotional geworden, nachdem sie Bedenkzeit bei den Lehrplanverhandlungen erbeten hatte: „Nach dem Telefonat war ich sehr eingeschüchtert“, sagte Scheidl gegenüber heute.at. Im Raum stand der Vorwurf, die Schülervertreterin sei massiv unter Druck gesetzt worden, einer Einigung bei den geplanten Kürzungen von Latein- und Fremdsprachenstunden zuzustimmen, ohne inhaltlich eingebunden worden zu sein. Hintergrund war ein umstrittener Lehrplanreform-Prozess, der österreichweit über 50.000 Menschen zu Petitionen gegen die Kürzungen bewogen hatte, wie das Blog von Robert Sedlaczek dokumentiert. Wiederkehr lenkte schließlich ein, die Reform wurde stark abgeschwächt.
Grüne fragten nach Konsequenzen
Die Grüne Abgeordnete Sigrid Maurer brachte daraufhin eine parlamentarische Anfrage ein, die laut einem Faksimile auf der Parlamentswebsite unter anderem wissen wollte, welche Konsequenzen das Ministerium aus dem Vorfall gezogen habe und wie künftig ein respektvoller Umgang mit Schülervertretern sichergestellt werde, wie exxpress berichtet.
Wiederkehr: Vorfall „sehr ernst genommen“
In seiner Anfragebeantwortung laut exxpress erklärt das Bildungsministerium, der Vorfall sei „sehr ernst genommen“ und intern aufgearbeitet worden. Die Kommunikation mit der Bundesschülervertretung erfolge „auf Augenhöhe“ und sei von gegenseitigem Respekt geprägt. Der Vorfall sei sowohl intern als auch mit Vertretern der Bundesschülervertretung nachbesprochen worden. Den Vorwurf, bildungspolitische Entscheidungen ohne ausreichende Einbindung der Schülervertretung getroffen zu haben, weist das Ressort zurück: Allein im Schuljahr 2025/26 seien zehn physische oder digitale Termine mit der Bundesschülervertretung abgehalten worden, die Schülervertreter seien von Beginn an in die Weiterentwicklung der Lehrpläne eingebunden gewesen. Als grundsätzlichen Rahmen verweist das Ministerium auf seine Richtlinien zur Mobbingprävention und wertschätzenden Kommunikation.
Scheidl hatte klare Worte
Scheidl selbst hatte laut heute.at bereits im April deutliche Worte gefunden: „Wir lassen uns als Bundesschülervertretung nicht einschüchtern oder unterkriegen – und wir lassen uns sicher keine Worte in den Mund legen.“ Sie habe erwartet, künftig als Partnerin auf Augenhöhe behandelt zu werden.
EINORDNUNG DER REDAKTION
Anfragebeantwortungen dieser Art folgen einem bekannten Muster: Das Ministerium räumt implizit ein, dass etwas schiefgelaufen ist – „sehr ernst genommen“, „intern aufgearbeitet“ – ohne konkrete Konsequenzen zu benennen oder Fehler explizit einzugestehen. Dass zehn Treffen pro Schuljahr als Beleg für Partnerschaft auf Augenhöhe angeführt werden, beantwortet die eigentliche Frage nicht: Was genau in jenem Telefonat gesagt wurde, und welche personellen oder strukturellen Konsequenzen daraus gezogen wurden. Die Causa steht stellvertretend für ein grundsätzlicheres Problem: Wenn ehrenamtliche Schülervertreter unter Druck gesetzt werden, ist das nicht nur ein Kommunikationsproblem, sondern ein demokratiepolitisches Signal – gerade aus dem Haus jenes Ministers, der die Vermittlung demokratischer Werte als Bildungsziel betont.
Credits: BKA / Andy Wenzel
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