Brennende Rathäuser, Plünderungen, 2.397 Festnahmen. In einer neuen Umfrage zur französischen Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr erreicht Marine Le Pen vom Rassemblement National bis zu 38 Prozent im ersten Wahlgang. Der Chef des Umfrageinstituts spricht von einem “nie dagewesenen” Wert.
Bis zu 22 Punkte Vorsprung
Die Erhebung hat das Institut Ifop im Auftrag von Sud Radio, LCI und “Le Figaro” durchgeführt. Befragt wurden laut Ifop 1.928 Wahlberechtigte, und zwar vom Abend des 17. Oktober bis zum 19. Oktober, also genau an dem Wochenende, an dem die Proteste in Gewalt umschlugen. Je nach Kandidatenkonstellation kommt Le Pen auf 34 bis 38 Prozent und liegt damit 18 bis 22 Punkte vor dem Zweitplatzierten. Im Szenario mit allen wichtigen Kandidaten erreicht sie 36 Prozent, zwei Punkte mehr als in der Vorwoche und vier Punkte mehr als Ende August, wie Sud Radio berichtet.
Mélenchon auf Platz zwei
Hinter Le Pen liegt der Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon mit 16,5 Prozent in diesem Szenario, gefolgt vom Sozialisten Raphaël Glucksmann mit 13,5 und dem Mitte-Politiker Édouard Philippe mit 12 Prozent. In der Stichwahl würde Le Pen laut Ifop jeden getesteten Gegner schlagen. Am knappsten fiele das Duell mit Philippe aus, der 44 zu 56 Prozent unterliegen würde, er verliert gegenüber Ende August aber vier Punkte. Glucksmann käme auf 43, Gabriel Attal auf 42 und Ex-Präsident François Hollande auf 41 Prozent. Amtsinhaber Emmanuel Macron darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten.
“Die Einzige, die profitiert”
Ob die Krawalle den Zuwachs ausgelöst haben, lässt sich aus einer einzelnen Umfrage nicht sicher sagen, zumal die Veränderungen nahe an der statistischen Schwankungsbreite liegen. Ifop-Generaldirektor Frédéric Dabi sieht aber einen klaren Zusammenhang. Die meisten Interviews seien am Sonntag und Montag geführt worden, die Befragten seien also den Ausschreitungen und Plünderungen ausgesetzt gewesen, sagte er bei Sud Radio. “Ganz klar ist Marine Le Pen die Einzige, die von diesem Ereignis profitiert.” Und: “Die einzige Gewissheit ist Marine Le Pen, die man sich kaum nicht in der Stichwahl vorstellen kann.”
Ordnung als Wahlkampfthema
Dass ausgerechnet die Rechtspopulistin von der Gewalt profitiert, passt zu den Reaktionen der vergangenen Tage. Präsident Macron machte am Donnerstag “ultralinke” Gruppen für die Ausschreitungen verantwortlich und warf ihnen vor, “die Republik zu Fall bringen” zu wollen. Für Samstag ließ er nur noch Demonstrationen von Gewerkschaften zu. Le Pen inszeniert sich seit Jahren als Kandidatin von Recht und Ordnung, Mélenchon dagegen steht für die radikale Linke. Bis zur Wahl im April bleiben noch sechs Monate – Zeit genug, damit sich die Stimmung wieder ändert.
Credits: Vox España – https://www.flickr.com/photos/voxespana/54314871070/, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=159513878 – ki erweitert
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