Moskaus nächster Energiehebel: Kein kasachisches Öl mehr für Deutschland

Moskaus nächster Energiehebel: Kein kasachisches Öl mehr für Deutschland

Ab 1. Mai will Russland den Transit von kasachischem Erdöl über die Druschba-Pipeline nach Deutschland stoppen. Die Raffinerie Schwedt wäre direkt betroffen – und damit die Energieversorgung weiter Teile Ostdeutschlands.


Reuters bricht die Nachricht – Kreml hält sich bedeckt

Die Meldung kam von drei anonymen Branchenquellen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: Russland beabsichtigt, den Transit von kasachischem Erdöl über die Druschba-Pipeline nach Deutschland ab dem 1. Mai einzustellen. Ein angepasster Exportplan sei bereits an Kasachstan und Deutschland übermittelt worden.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow reagierte ausweichend. Wie das Handelsblatt berichtete, sagte er, er wisse davon nichts – „Wir werden versuchen, das zu prüfen.“ Das russische Energieministerium antwortete zunächst gar nicht auf Medienanfragen.

Schwedt im Fokus – und damit halb Ostdeutschland

Besonders im Blickpunkt steht die PCK-Raffinerie im brandenburgischen Schwedt – eine der größten Anlagen Deutschlands. Sie versorgt nicht nur die Region, sondern auch Berlin sowie Westpolen mit Benzin, Diesel und Heizöl. Wie Presse.Online unter Berufung auf Reuters berichtete, könnten ein vollständiger Stoppt der Lieferungen rund 17 Prozent der jährlichen PCK-Kapazität von rund 12 Millionen Tonnen betreffen.

Kasachstan lieferte 2025 rund 2,146 Millionen Tonnen bzw. 43.000 Barrel pro Tag über die nördliche Druschba-Trasse nach Deutschland – ein Anstieg von 44 Prozent gegenüber 2024. Über die Raffinerie hält zu 54 Prozent die deutsche Tochter des russischen Staatskonzerns Rosneft die Anteile – diese steht seit dem Ukraine-Krieg allerdings unter staatlicher Treuhandverwaltung und damit unter Kontrolle des Bundes.

Rosneft Deutschland: „Nicht unlösbar“

Die deutsche Rosneft-Tochter bestätigte, eine Benachrichtigung über mögliche Transportprobleme erhalten zu haben. Wie die Krone berichtete, erklärte ein Unternehmenssprecher: „Wir müssen prüfen, wie wir gegebenenfalls Ersatzlieferungen sicherstellen können, damit die PCK weiterhin voll produzieren kann.“ Die Situation sei aber nicht „unlösbar“.

Alternatives Öl könnte über den Seeweg – etwa über den Hafen Rostock oder den polnischen Hafen Danzig – nach Schwedt geliefert werden. Wie berlinmorgen.de analysierte, stoßen diese Routen jedoch an technische Kapazitätsgrenzen und sind logistisch deutlich aufwendiger.

Politischer Hintergrund: Drohnen und Treuhand als Auslöser?

Der Schritt Moskaus dürfte kein Zufall sein. Wie Transition News unter Berufung auf Reuters berichtete, hatten deutsche Firmen zuletzt angekündigt, neue Joint Ventures mit ukrainischen Drohnenherstellern zu gründen – für Geräte mit Reichweiten bis zu 1.500 Kilometern. Kombination mit der Treuhandverwaltung russischer Rosneft-Anteile: Moskau setzt offenbar gezielt dort an, wo es noch Hebel hat.

Credits: APA

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